Intrigen und Freundschaft unter der Sonne Andalusiens

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Tessa Hennig, Autorin humorvoller (Frauen-)Romane hat ein neues Buch geschrieben. Leider kannte ich die Bücher der Autorin bislang nur vom Titel her, oder als Verfilmung aus dem Fernsehen. Nun kam auch ich in den Genuss, das neueste Werk zu lesen. LISA GEHT ZUM TEUFEL, so lautet der vielversprechende Titel – na das kann ja nur teuflisch gut werden...


Das Cover:

Ein Cover, wie es kaum passender sein kann. Blauer Himmel über einer mediterranen Idylle – eine hügelige Landschaft aus saftigem Grün, die typischen, kegelförmigen Zypressen und eine südländische Villa – da kommt Uraubsfeeling auf. Im Vordergrund sieht man eine chic gekleidete ältere Dame mit Hütchen und Sonnenbrille, das Kinn herausfordernd nach vorne gestreckt, eine Hand am farblich zur Kleidung passenden Trolley. Ihr gegenüber steht eine typische Spanierin – so wie man sie sich vorstellt – sie trägt ein schwarz-rot-gestreiftes Kleid, die schwarzen Haare hochgesteckt. Es fehlen nur noch die Kastagnetten und sie könnte Flamenco tanzen. Statt dessen hat sie auf dem Arm eine schwarze Katze und hinter ihr befinden sich weitere Katzen. Auch diese Dame (es ist übrigens Delia, die wahrlich keine Spanierin ist) hat eine herausfordernde Körperhaltung eingenommen und sie deutet mit dem Finger in Richtung der Villa.

Sehr schön fand ich, dass sich auf der Rückseite des Buches auch noch die Cover-Abbildungen von zwei weiteren Büchern der Autorin befinden, denn das macht gleich Lust aufs Weiterlesen. Ein weiteres Buch wird im Anhang vorgestellt und als kleines Bonbon befindet sich dort auch eine kurze Leseprobe.


Die Handlung:

Lisa ist 58 Jahre alt, Verlagsmitarbeiterin und in ihren Kollegen Reiner verliebt, der zehn Jahre jünger ist als sie. Voller Vorfreude bereitet Lisa sich auf den ersten gemeinsamen Urlaub mit dem Liebsten vor, da erreicht sie eine Nachricht: Reiner macht mit ihr Schluss und Lisa muss erkennen, dass Reiner sie wohl nur als Karrieresprungbrett benutzt hatte.

Doch den Urlaub in Andalusien will Lisa sich dennoch nicht verderben lassen und fliegt alleine in den Süden. Im spanischen Marbella besitzt Lisa das lebenslange Wohnrecht für den Teil einer Villa. Dieses besagte Wohnrecht hatte sie sich einst hart erkämpft, nach der Trennung von ihrem Ex-Mann Felipe.

Doch diesmal kommt alles anders: Andreas, der Sohn aus Felipes zweiter Ehe, taucht mit seiner Verlobten Mercedes auf. Schon bald tritt er mit den Wunsch an Lisa heran, ihr das einst hart erkämpfte Wohnrecht in der Villa abzukaufen. Doch Lisa lehnt ab. Daraufhin kämpft Andreas mit harten Bandagen: Kurz, nachdem Lisa ihrem Stiefsohn eine Abfuhr erteilt hat, taucht der Obdachlose Rafael mit seiner Katze, sowie die ehemalige Prostituierte Delia auf und quartieren sich in einen Teil der Villa ein.

Fortan bekämpfen sich Lisa und ihre unliebsamen Mitbewohnern mit allen möglichen Mitteln: stinkende Knoblauchattacken, mit einer Katzeninvasion, lautstarken Flamencotänzen und anderen Angriffen der unterschiedlichsten Art. Erst als es zu einem bedrohlichen Zwischenfall kommt, müssen die Beteiligten feststellen, dass es so nicht weitergehen kann – sie müssen gegen Felipe zusammenhalten. Und bald stellt Lisa fest, dass aus Feinden auch Freunde werden können...


Meine Meinung:

Lisa ist eine Frau, die viel wert auf ihr gutes Aussehen legt und von einer gemeinsamen Zukunft mit Reiner träumt. Sie wirkt zwar sympathisch, manchmal allerdings auch etwas überheblich denen gegenüber, denen es nicht ganz so gut geht.

Rafael, den Endfünfziger, mochte ich sofort. Ihm hat das Schicksal übel mitgespielt, kann er doch auf bessere Tage zurückblicken. Doch durch die Geldgier seiner Ex-Frau verlor er alles: Sein Zuhause und auch seine Tochter. Rafael wirkt sehr warmherzig, was auch durch sein liebevolles Verhältnis zu seiner Katze Roberta zum Ausdruck kommt – nicht umsonst folgt sie ihm, der ihr doch kein festes Zuhause bieten kann, auf Schritt und Tritt.

Delia, eine Niederländerin, die einst im horizontalen Gewerbe ihr Geld verdiente und eine Freundin von Rafael ist, ist wohl diejenige, die eher das Kommando hat. Aber sie fühlt sich für Rafael und Roberta verantwortlich und unterstützt ihren Freund, soweit ihr dies möglich ist.

Andreas fand ich hinterlistig. Er machte erst schön Wetter, um dann hinten herum Intrigen zu spinnen. Seine Verlobte Mercedes fand ich da weitaus sympathischer und ich hatte sogleich den Verdacht, dass sie von den Machenschaften ihres Liebsten gar nichts wusste.

Felipe, den Lisa vor dreißig Jahren auf Gran Canaria kennengelernt hatte und von dem sie seit zwanzig Jahren bereits wieder geschieden ist, scheint erst einmal der Bösewicht in der Geschichte zu sein. Seine zweite Frau, die Mutter von Andreas, war ebenfalls Deutsche – so wie Lisa auch. Aktuell hat er eine Lebensgefährtin namens Benita. Doch auch in dieser Beziehung herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Und Felipe scheint doch mitunter noch an Lisa zu denken – so ganz scheint er sie doch nicht vergessen zu können – und das sicher nicht nur wegen des Wohnrechts...

Yolanda, eine Deutsch- und Englischlehrerin, ist die Nachbarin von Lisa. Der kleine Enkel „Luke“ sorgt für so manche heitere Begebenheit, liebt er es doch, als Luke Skywalker die Gegend unsicher zu machen.

Alleine steht Lisa aber auch in Marbella nicht da. Sie hat ihre Freundesclique, die ihr eine tatkräftige Unterstützung bietet. Da ist die füllige Vroni, die nicht nur vermögend ist, sondern momentan frisch verliebt, aber auch das Paar Claudia und Alex, die nur zu gerne hinter Andreas hinterherspionieren.

Rafael und Lisa – wären die nicht ein Traumpaar? Doch leider gibt es hier ein kleines Problem: Lisa reagiert allergisch auf Katzenhaare. Ob aus den beiden ungleichen WG-Genossen am Schluss dennoch ein Paar wird? Lest selbst...

Der Schreibstil bietet ein kurzweiliges Lesevergnügen, die Handlung ist humorvoll, die sehr verschieden wirkenden Protagonisten gut gewählt. Aber es gibt auch immer wieder ernste Momente im Buch, die den Leser nachdenklich stimmen, so auch als man erfährt, dass der kleine „Luke“ schwer krank ist..


Fazit:

Eine humorvolle Handlung, trotz allem aber auch ernsthafte Szenen, sowie ein mitreissender, flüssiger Schreibstil zeichnen diesen Roman aus. Von mir erhält dieser heitere Roman 5 Sterne.