Verzeihungen und Neuanfänge

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silvia1981 Avatar

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Auf den neuen Roman „Lisa geht zum Teufel“ von Tessa Hennig hatte ich mich riesig gefreut, nachdem ich ihre bisherigen Romane geradezu verschlungen habe und immer ganz angetan war von den Geschichten der älteren Damen, mit denen die Autorin stets wunderbare Protagonistinnen geschaffen hat, mit denen man nur zu gerne ihre Sorgen und auch ihr Glück teilt! So war ich auch in diesem Roman sehr begeistert von Lisa und deren Urlaubsreisen nach Marbella, aber leider fehlte mir dieses Mal die Spannung, die Begeisterung von Anfang bis zum Ende hervorgerufen und mir das Buch nicht mehr aus der Hand legen lassen hätte, weswegen es leider auch so lange gedauert hat, bis ich diese Rezension posten konnte. Auch das Cover fand ich dieses Mal nicht ganz so ansprechend wie bisher und allgemein muss ich sagen, bewegen Cover und auch Titel grundsätzlich nicht unbedingt dazu, die Bücher in die Hand zu nehmen, da die Titel irgendwie einen makaberen Hintergrund mitschwingen lassen, auch wenn diese im Nachhinein gesehen sehr treffend gewählt sind.

Die Geschichte beginnt eigentlich viel versprechend. Lisa, eine Frau in den besten Jahren, die seit vielen Jahren Urlaub auf Marbella macht, in einem wundervollen Haus, für das sie seit der Trennung von ihrem Ex-Mann Felipe Wohnrecht besitzt und auf Marbella in einer Clique jedes Jahr gut aufgenommen wird und viel Spaß hat. In diesem Jahr wollte sie ihren neuen Freund Rainer mitnehmen, der ihr jedoch im letzten Moment einen Korb gibt und sie traurig alleine die Reise antritt. Auch ansonsten sollte der Urlaub nicht so schön wie sonst werden, denn erst macht ihr ihr Stiefsohn Andreas und dessen Freundin Mercedes das Wohnrecht streitig, und als diese unerwartet schnell wieder abreisen bringen sie der obdachlose Rafael und die ehemalige Prostituierte Delia beinahe an den Rande des Wahnsinns. Und dies nicht aus Zufall, sondern aus Rache und Intrige von Andreas, der möchte, dass er mit Mercedes komplett in das Haus einziehen kann und Lisa ihr Wohnrecht verkauft. Ein ewiges hin und her beginnt, das mir das lesen leider teilweise nicht mehr interessant gemacht hat, mir fehlte einfach etwas an der Geschichte, das auch einen gewissen Anspruch und Tiefgang hinein bringen würde. Aber das Durchhalten hat doch sein Gutes, denn am Ende wird der Leser mit mehreren positiven Wendungen, Enthüllungen und Lebenserkenntnissen, auch aus der Vergangenheit mancher Personen, überrascht, die das Buch schließlich doch lesenswert gemacht haben, wenn es auch für mich irgendwie ein langer Weg bis dahin war.

Keine Frage, Tessa Hennig hat eine ganz spezielle Art von Romanen, die man liebt oder eben nicht, lässt die Geschichten immer an schönen Orten spielen, erschafft wunderbare Personen mit verschiedensten Charakteren, und ihr Schreibstil lässt grundsätzlich keine Langeweile aufkommen, ist flüssig zu lesen und die Geschichten sind dadurch großteils sehr kurzweilig und unterhaltsam. Trotzdem hatte dieses Buch in Teilen für mich Schwächen, die ich aber nach dem doch sehr zufriedenstellenden Ende nicht mehr ganz so tragisch sehe und dem Buch deswegen gute vier von fünf Sternen vergeben möchte. Ich freue mich auf alle Fälle, wenn es wieder Neues von Tessa Hennig bzw. von einer weiteren liebenswürdigen Protagonistin zu lesen gibt und bedanke mich ganz herzlich bei Vorablesen, der Autorin und dem Verlag, dass ich dieses Buch testlesen und bewerten durfte!