Ernüchterung, dein Name ist Loney

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Selten hat mich ein Buch so enttäuscht zurückgelassen wie „Loney“ von Andrew Michael Hurley. Dabei hat sich die Leseprobe so vielversprechend gelesen und auf ein spannendes und unheimliches Leseabenteuer hoffe lassen:

Ein Erdrutsch auf Coldbarrow und die Babyleiche, die dabei freigelegt wird. 30 Jahre zuvor: Eine tief gläubige Familie auf Wallfahrt, in der Hoffnung so ihrem kranken Sohn zu Heilung zu verhelfen, seltsame religiöse Rituale, dunkle Gestalten und ein Landstrich, der so unwirtlich erscheint, dass man am liebsten dort angekommen schreiend davon laufen will.

The Loney – „dieses seltsame Nirgendwo zwischen den Flüssen Wyre und Lune.“S. 10

„….die Grausamkeit von The Loney schien so unvermeidlich, dass diese Seelen sich meist unbeachtet zu zahlreichen anderen gesellten, die im Laufe der Jahrhunderte bei dem Versuch, den Ort zu zähmen, ums Leben gekommen waren.“ S. 10/11


Dies alles liest sich wie die perfekten Zutaten für einen Hitchock-Film und ließ mich an die Meister des literarischen Schauerromans alter Schule denken, wie z.B. Edgar Allen Poe, Daphne DuMaurier,…

Die Sunday Times versprach gar:
„Eine meisterhafte Exkursion ins Grauen.“

Doch die Ernüchterung folgt schnell beim Lesen. Dem Autor gelingt es zwar anfangs, eine unheimliche Stimmung aufkommen zu lassen, so ein leichtes Prickeln unheilvoller Erwartungen in einem hervorzurufen, doch dann geschieht einfach -NICHTS.
Und wenn ich nichts schreibe, dann meine ich auch nichts. In diesem Buch wird auf 384 Seiten unglaublich viel gebetet, wir dürfen Menschen erleben, die sich allein durch ihren Glauben definieren, Menschen, die teilweise an ihrem Gauben zweifeln, ihn gar verlieren und so auch ihren Halt im Leben. Aber dabei geschieht kaum etwas wirklich spannendes, ja, hier und da wird eine kleine unheimlich anmutende Begebenheit eingestreut, die Hoffnung im Leser auf mehr aufkommen lässt, doch diese wird leider immer wieder im Keim erstickt. Was es mit der Babyleiche auf sich hat erfährt man nie wirklich und der Autor versteht sich ganz hervorragend darauf, den Leser mit endlos wiederkehrenden Landschaftsbeschreibungen und Glaubensdiskussionen zu ermüden.

Was am Ende bleibt ist eine „meisterhafte Exkursion“ der Langeweile.