Make me German

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Das Buch "Make me German" wurde Anfang Januar 2015 erstmalig im Ullstein Buchverlag veröffentlicht. Auf 400 Seiten beleuchtet der Autor deutsche Eigenarten und Klischees auf humorvolle Art und Weise. Adam Fletcher ist gebürtiger Brite, verbringt ein Teil seiner Lebenszeit jedoch in Deutschland. Dies nimmt er zum Anlass, seine Eindrücke, die er im Bezug auf den Klischeedeutschen gewinnen konnte, niederzuschreiben.

Das Buch ist auf 400 Seiten abgehandelt. Inhaltlich beschränkt es sich jedoch auf knapp 200 Seiten. Der Grund ist, dass das Buch bilingual ist. Man kann es sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch lesen, abhängig davon, auf welcher Seite man startet. Trotzdem findet man auch in der englischen Version häufig deutsche Wörter. Diese werden entweder ausführlich erklärt oder es gibt Annotationen in der Fußzeile.

Fletcher beschränkt sich in seinem Roman auf eine handvoll Klischees. Er geht also wahrlich nicht auf alle Deutschen Eigenarten ein, sondern pickt sich ein paar davon heraus. Dies macht die Story umso lustiger, da einzelne Eigenarten, die man als Deutscher höchstens unbewusst miterlebt, relativ ausführlich dargestellt und satirisch auseinandergenommen werden. Natürlich fehlt dabei nicht die deutsche Bürokratie, auch auf die deutsche Bahn wird zur Genüge eingegangen.
Besonders gut hat mir jedoch die Abhandlung über den Schlager gefallen. Den Themenkomplex "Schlager" verbindet Fletcher dabei mit seinen Erfahrung im 17. Bundesland - auf Mallorca.
Wie die anderen Teile kommt man äußerst häufig ins Schmunzeln und kann durchaus eigene Verhaltensweisen wiederentdecken. Besonders engagiert zeigt sich der Autor auch im Bezug auf den Schlager, als dass er gemeinsam mit einem Produzenten einen eigenen Schlagersong - angelehnt an DJ Ötzi - singt. Dieser ist auf seiner Website verlinkt und regt dazu an, sich auch über das Buch hinaus über das Erzählte Gedanken zu machen - tolle Idee.

Allem in allem ist das Buch wirklich sehr gut gelungen und äußerst lustig. Der Deutsche wird sich wiedererkennen. Auch ein "Deutschtest" am Ende des Buches ist zwar als Scherz aufzufassen, durchaus aber an der ein oder anderen Stelle nah am Deutschen Gemüt.
In weiten Teilen - so ehrlich muss man sein - bedient sich müht sich Fletcher jedoch am Klischeedeutschen ab. Heute ist Deutsch-sein längst nicht mehr so wie von Fletcher beschrieben, man sollte das Buch also durchaus mit ironischer Einstellung lesen.
Das macht Fletcher jedoch auf den letzten Seiten noch einmal deutlich klar - von daher:
Ein ansprechendes Buch, nicht langweilig, urkomisch und definitiv zu empfehlen!