Tauchen Sie ein in das vibrierende New York der 30er und 40er Jahre.

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Jennifer Egan erzählt in "Manhattan Beach" vom Kampf der New Yorkerin Anna um ihren Platz als Marinetaucherin im Zweiten Weltkrieg. Die Autorin präsentiert hier geradeaus eine Geschichte mit Krimi-Spannung. Gleich der erste Satz bindet die drei Hauptpersonen untrennbar für den Rest dieses spannenden Romans aneinander: "Anna merkte erst, wie nervös ihr Vater war, als sie das Haus von Mr. Styles erreichten." Anna Kerrigan begleitet ihren Vater oft auf seinen Autofahrten und lernt den reichen Nachtclubbesitzer Dexter Styles in seiner Villa in Manhattan Beach. Der Mann ist ihr nicht geheuer, aber wichtig für das Überleben der Familie. Denn Vater Eddie hat bei dem Börsencrash 1929 alles verloren, schlägt sich nun mit Botengängen für die Mafia durch, während die Mutter mit Näharbeiten ein paar Dollar dazuverdient. Eines Tages verschwindet Eddie spurlos, und Anna muss für die Mutter und die schwerbehinderte Schwester alleine sorgen. Aus der Sicht der elfjährigen Tochter erzählt Jennifer Egan im Eröffnungskapital von "Manhattan Beach" die eindeutig schicksalhafte, aber für sie unmöglich zu entschlüsselnde Begegnung mit dem reichen, mächtigen Dexter Styles an diesem Strand vor den Toren New Yorks. Dass ihr Vater Eddie, nach dem Börsencrash tief gefallen, als Handlanger für Kleinkriminelle Mitte der 30er Jahre schwer um das Überleben der Familie Kämpfen muss, ist schnell klar. Aber was mag er mit dem reichen Dexter Styles ausgehandelt haben - oder eben auch nicht? Etliche Jahre, aber im Buch nur ein paar Seiten später ist Anna Kerrigans Vater von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Die 19-jährige hält die Mutter und ihre schwer behinderte und noch mehr geliebte Schwester Lydia als Marinetaucherin im Hafen von New York über Wasser. Als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintreten, wird der Hafen von Manhattan zur größten Marinewerft mit absoluter Geheimstufe erklärt. Der Zweite Weltkrieg mit akutem Mangel an männlicher Arbeitskraft hat ihr die Erfüllung dieses sehr eigenen Berufstraums möglich gemacht. Weil Männer fehlen, müssen und dürfen Frauen dort arbeiten. Anna verwirklicht gegen alle Widerstände ihren Traum und wird die erste weibliche und farbige Marinetaucherin, repariert unter Lebensgefahr US-Kriegsschiffe. 90 Kilo wiegt ihr Tauchanzug, und noch viel schwerer wiegen die männlichen Vorurteile jener Jahre gegen Frauen mit Lohnarbeit. Jenniffer Egans hochinterressante Hauptfigur setzt sich dagegen durch. Unerschrocken geht sie auch dem Verschwinden ihres Vaters auf den Grund, als der Nachtclubbesitzer Dexter Styles eines Abends wieder in ihr Leben tritt und sie mehr über das Verschwinden ihres Vaters erfährt. Der Gangster mit den guten Manieren interessiert sich nach der Zufallsbegegnung für ihre Arbeit am Grund der riesigen New Yorker Marinewerft wie auch für die junge Frau insgesamt. So sehr, dass er irgendwann selbst unter Lebensgefahr am Grund des modrigen Hafenbeckens mit ihr nach Annas Vater sucht. Jennifer Egans historischer Roman führt in die Welt von Gangstern, Gewerkschaften, Mafia und Marinetauchern und blickt auf den Moment, als Frauen ihre Identität trnsformierten, währen die USA zur Weltmacht wurden. "Manhattan Beach" ist ein Roman in einem vollkommen konventionellen Sinn: Hier wird chronologisch geradeaus erzählt, abwechselnd aus Perspektive der drei komplexen Hauptpersonen. Die Autorin interressiert sich für den alten Hafen als Arbeitsplatz genauso wie mit nüchternem Blick für das Gangstermilieu der 30er- und 40er-Jahre. Beides waren prägende Elemente im New York jener Jahre. Ohne Pathos stellt sie den Alltagskampf von Frauen um einen Platz in der Gesellschaft über Kind und Küche hinaus ins Zentrum der Geschichte. Egan erzählt in der ersten Hälfte bedächtig, bis Spannung und Tempo in der zweiten gewaltig steigen. Egans Figuren sind nie Klischee, was sich von den Verwicklungen zum Ende nicht immer behaupten lässt. Unter dem Strich: "Manhattan Beach" ist ein bemerkenswerter Pageturner von hoher literarischer Qualität.