zwei Leben spiegeln sich in Trauer

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agathemaus Avatar

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Endlich greife auch ich zu diesem Buch, über das vermutlich bereits alles geschrieben und gesagt wurde. Drum mag ich mich kurz halten.

Zwei einander fremde Menschen treffen aufeinander und sind lebensweichenstellend füreinander da - darauf könnte man es reduzieren. Aber natürlich bietet der Roman fraglos mehr.

Der Trauer von Paula und Helmut zu folgen, ihrem überhaus speziellen Kennenlernen, ihrer Reise zu Anfang und Ende – dies ist durchaus schön zu lesen. Auch wenn ich die sprachliche Gestaltung nicht durchgehend beachtlich fand (so manche vermeintlich witzige Stelle war mir beispielsweise etwas plump geraten) und die Autorin für mein persönliches Empfinden etwas zu sehr auf der Klaviatur der Emotionen spielt, ist das Beleuchten von Trauer, Verlust und Endgültigkeit aus verschiedenen Perspektiven beachtenswert gelungen. Dieser Roman wird wohl jeden auf dieser besonderen tiefen Ebene berühren, auf der jeder empfindsam ist – der Angst vor dem Verlust geliebter Menschen - dem eigenen Marianengraben, den jeder fürchtet. Dass sich die teils überdeutlichen Metaphern im Laufe des Geschehens etwas abnutzen und ermüden, das ist verzeihlich und sicher zu vernachlässigen.

Die stärksten Momente hat das Buch für mich in den Sequenzen von Geschwisternähe und –liebe. Die rückblickenden Erinnerungen an die gemeinsamen Erlebnisse von Paula und Tim, diesem überaus liebens- und lebenswerten klugen Jungen, sind berührende Szenen von wirklicher Innigkeit

Marianengraben ist ein gut lesbarer Roman mit traurigen, mit komischen, mit seltsamen Momenten und einer klug gesetzten Spiegelung von Lebensleid, den ich nicht ausschließlich auf die Auseinandersetzung mit Trauer und Verlust reduzieren möchte. Weil sehr viel mehr darin steckt - oder aber auch im Leser zum Klingen bringt.

Ein gutes Buch – durchaus eine Empfehlung.

Und das Nebensächlichste: Was für ein wunderschönes Cover wurde hier erschaffen! Sowohl mit als auch ohne Schutzumschlag ein ästhetisches Meisterwerk