Zum Verlieben fand ich diesen Zombie nicht

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maren Avatar

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R erzählt seine Geschichte, die aber doch sehr ungewöhnlich ist. Denn R ist ein Zombie, was bedeutet, dass er Fleisch von lebenden Menschen frisst, sich nicht an seinen Namen erinnern kann (nur an den ersten Buchstaben, daher R, den anderen Zombies geht es genauso). So verleibt er sich dann auch das Gehirn von Perry, Julies Freund ein, wodurch er einige von dessen Erinnerungen bekommt. Und wohl auch Gefühle, denn Julie will er nicht fressen, beschützt sie vor den anderen Zombies und nimmt sie mit sich. Sie geht allerdings sehr freiwillig mit und findet R sehr bald schon sehr nett.
Doch ein Zombie zu sein hat nun mal so seine Nachteile, auch wenn R für einen solchen toll aussieht.

Bei dem Zitat von Stephenie Meyer auf dem Cover und auch der Inhaltsangabe, rechnete ich mit einem Zombie-Liebesroman. Bei den paranormal romances ist es ja nun nicht so selten, dass der Held schon untot ist. Eine Romanze gibt es hier jedoch nicht, bzw. verdient das, was als eine solche verkauft werden soll, diese Bezeichnung nicht. Was Julie an dem grenzdebil wirkenden R findet (der ja noch dazu ihren Freund auf dem Gewissen hat), ist absolut nicht nachvollziehbar. Unterhalten können sie sich kaum, da R zum einen nur sehr wenige Erinnerungen hat, zum anderen gar nicht in der Lage ist, richtig zu sprechen, er bekommt nicht viele Wörter am Stück heraus und diese auch nicht flüssig.
Die Geschichte wird in Ich-Form aus Rs Sicht erzählt, so dass hier erfreulicherweise das aus anderen young adults bekannte Anschmachten der Heldin und ewig wiederkehrende Beschreiben wie schön der Held doch ist, entfällt. R ist zwar schön, aber eben nur nach Zombie-Maßstäben, seine verrotteten Lippen und die ungesunde Gesichtsfarbe entsprechen nicht so ganz den üblichen Schönheitsstandards von übersinnlichen Helden in Jugendbüchern.
Die Ich-Form aus Sicht des Helden ist ungewohnt, soweit aber okay. Allerdings hat mich der Schreibstil ebenso wenig überzeugen können, wie die Handlung und vor allem die Figuren. Denn liebenswert wirkt hier keiner. Julie bleibt blass, nicht greifbar als Figur, ihre Handlungen sind nicht nachvollziehbar. R ist eben ein Zombie, sehr viel erfährt man über ihn nicht, aber das, was man von ihm erfährt und wie er sich verhält, macht ihn nicht gerade sympathisch.
Zudem fehlte mir die Spannung. Erst zum Ende hin kommt welche auf, ansonsten plätschert die Geschichte sehr erzählt dahin. Da gibt es weitaus bessere Zombie-Romane, diesen kann man dafür ohne Weiteres auch jüngeren Jugendlichen in die Hand drücken. Der Horror hält sich in Grenzen, die Liebesgeschichte ist quasi nicht vorhanden und beschränkt sich auf wenige Küsse. Sehr lang ist die Geschichte zudem auch nicht.
Positiv hervorzuheben ist allerdings die gelungene Aufmachung. Das Cover passt perfekt. Im Buch ist vor jedem (nicht nummerierten Kapitel oder Abschnitt, wie man es auch nennen mag) eine sehr gut ausgearbeitete schwarz-weiß Zeichnung von menschlicher Anatomie.