Eine sehr italienische Familie

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Schon von der Aufmachung her ein sehr schönes Buch. Auf dem Umschlag Orangenblüten und Orangen. Es erinnert an Italien, Sommer, Sonne, Strand. Auch das Buch selbst in der gesprenkelten Cartonage gefällt mir sehr gut. Und dann wenn man es aufschlägt sieht man ein alts Familienfoto, den gesamten Clan. Einfach gut gemacht.

Zum Buch selbst:

Die Autorin Daria Bignardi schreibt hier die Lebensgeschichte ihrer Familie auf. Die Eltern lernen sich in den Kriegswirren kennen. Die Mutter scheint eine sehr schöne Frau gewesen sein. Sie verläßt ihren Verlobten und heiratet Vico. Doch wie es im Leben so ist, die Liebe kommt irgenwann abhanden. Erst kommt eine Tochter, Jahre später die zweite Tocher (die Autorin). Das Leben plätschert so dahin, der Vater stirbt an Krebs, die Mutter überlebt diesen um 20 Jahre. Heute würde man sagen, dass diese psychische Probleme hatte, Schwarzmalerei, Ängte. Mutter und Tochter haben verschiedene Ansichten. Die Tochter frei, berufstätig, modern. Die Mutter hängt noch an den alten Klischees. Was mich besonders fasziniert ist dies, dass sich die ganze Verwandtschaft im Sommer in einer alten Villa auf dem Land trifft und man dort auch so manches Wochenende verbringt. Es scheint eine ganz nomale Familie zu sein mit Streitigkeiten, aber wenn es sein muß, mit sehr sehr großem Zusammenhalt.

Was mich ein wenig an dieser Geschichte irritiert, ist die Verwandtschaft. Ich kam nicht ganz klar mit den Ururgroßeltern, den Großcousins, Großtanten usw. Nie wußte ich genau, wer zu wem gehört.

Da die Kapitel kurz und sehr flüssig geschrieben waren, wurde man schnell in die jeweilige Situation integriert. Z.B. die Mutter hatte ihr ganzes Leben lang darunter zu leiden, dass sie kein Hochschulstudium hatte, sondern nur Grundschullehrerin war. Der Kater wurde von der Autorin Bruder genannt, er saß immer auf dem Fernsehen, sein großer dicker Schwanz hängte in den Bildschrim hinein. All diese Szenen haben mir gut gefallen. Oder die Geschichte, dass Darias erster Freund, wenn es neblig war, immer bei ihr übernachten durfte. Die Mutter erlaubte diese erste Liebe, da ja Vater immer mittwochs nicht nachhause kam, sondern mit seinen Freunden zechte und dann auswärts übenachtete. Viele schöne Kapitel.

Auf alle Fälle werde ich das Buch weiterempfehlen. Ich lege es jetzt auf die Seite. Ich weiß es aber jetzt schon, dass ich es an kalten Tagen aus dem Regal holen werde, es noch einmal lesen werde. Dann kann ich die Geschichte noch einmal in mich aufnehmen, vielleicht sehe ich dann andere Aspekte. Ich hole mir dann den Sommer, den Duft der Gräser ins Lesezimmer zurück.

Leider war die Geschichte schon nach 186 Seiten aus. Gerne hätte ich mindestens das Doppelte gelesen. Ich kann nur sagen, dass dieses Erstlingswerk von Daria Bignardi voll gelungen ist. Eine Fortsetzung wäre toll.