Kein Krimi, eher ein Mystery-Roman mit Krimitendenz

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moehrchen Avatar

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Phil Rickman, in Lancashire geboren, ist ein englischer Autor und Radiomoderator. Er schreibt auch unter dem Pseudonym Will Kingdom Spannungsromane. Mit seiner Merrily-Watkins-Reihe hat er Ende der Neunziger begonnen. "Mittwinternacht" ist nach "Frucht der Sünde" der zweite Roman der Reihe.

Merrily Watkins, die Pfarrerin von Ledwardine, wird vom neuen Bischoff zur "Beraterin für spirituelle Grenzfragen"  - oder anders ausgedrückt zur neuen Exorzistin - ernannt. Schon bald ändert sich das Leben von Merrily, sie muss sich nun - neben der Arbeit in ihrer Gemeinde - mit paranormalen Phänomen wie "Abdrücken", "Besuchern", "Ruhelosen", "Entladungen" usw. befassen bzw. auseinander setzen. Die Lage spitzt sich zu, als Merrily, im Rahmen ihres neuen Amtes, an das Sterbebett eines alten Mannes gerufen wird...

Im ersten Roman "Frucht der Sünde" war Merrily Watkins ja eher an der Heimatfront. Dieses Mal muss sie an ganz anderen Fronten kämpfen. Da sind zum einem die Vorurteile gegen ordinierte Frauen in der anglikanischen Kirche, gegen die sie kämpfen muss. Dazu kommt dann noch das Amt der "Beraterin für spirituelle Grenzfragen", für das sie der neue Bischof berufen hat. Aber Merrily ist sich nicht ganz sicher ob sie diese Aufgabe bewältigen kann,  nicht nur deshalb, weil sie starke Widerstände - innerhalb der Kirche - gegen ihre Berufung spürt, sondern auch, weil die ersten Fälle, die sie bearbeiten muss, scheinbar über ihre Kraft zu gehen scheinen. Und dann ist da noch ihre sechzehnjährige Tochter Jane, die auf der Suche nach ihrer Identität ist, dem Beruf ihrer Mutter eher kritisch gegenüber steht und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist und diesen in der Esoterik und deren Auswüchsen sucht.

Phil Rickman hat mit Merrily Watkins eine starke Frau geschaffen, die sich durchsetzten kann aber auch schwächen hat und dies zeigen kann. Es war interessant zu lesen, welche Abenteuer - ich denke so kann man es tatsächlich nennen  - sie bestehen muss, vor allem auch durch ihr neues Amt, und in welche Situationen sie gerät. Auch die Beziehung zu ihrer Tochter beschreibt Rickman recht einfühlsam und liebevoll. An Merrilys Seite sind natürlich wieder ihre treuen Helfer. Da ist ihre Tochter Jane, die trotz eigener Identitätssuche und Problemen mit ihrer Mutter doch immer da ist, wenn sie gebraucht wird, und zum anderen ist da noch Lol - den Lesern schon bekannt aus dem ersten Teil - ein guter Freund von Merrily und Jane.

Die Merrily-Watkins-Reihe von Phil Rickmann ist eigentlich keine Krimireihe - auch wenn ab und an mal ein Mord passiert. Ich würde es eher als Mystischen Roman mit Krimitendenzen bezeichnen, dies vor allem auch wegen Merrily Amt als Exorzistin. Keine Ahnung ob Rickman die paranormalen Vorkommnisse in dem Buch richtig beschreibt - ich gehöre, was diese Dinge angeht, eher zu den Ungläubigen - aber es war interessant mal in eine ganz andere Welt reinzuschnuppern.

Eine für mich außergewöhnliche Reihe, die ich jedem  nur wärmstens ans Herz legen kann.