Wanderin zwischen den Welten

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Nach den seltsamen Vorkommnissen in ihrem Heimatstädtchen Ledwardine entschließt sich die Pfarrerin Merrily Watkins dazu, eine Ausbildung zur Exorzistin zu machen. Kaum fertig mit dem Lehrgang beschließt der Bischof von Hereford, sie zur Beraterin für spirituellle Grenzfragen zu ernennen und sie damit auf einen Posten zu setzen, der sämtlichen Pfarrern der Gemeinden um Hereford übergeordnet ist. Merrily, die sich der Aufgabe von beginn an nicht gewachsen sieht, wird bald mit Dingen konfrontiert, die ihre Kräfte erneut zu übersteigen drohen. Warum wird ausgerechnet ihr, einer auf diesem Gebiet noch völlig unerfahrenen Geistlichen dieses Amt übertragen? Und was hat es mit den Vorkommnissen auf sich, die sich wie ein drohendes Unwetter über Hereford und seiner Umgebung zusammenziehen?

Phil Rickmans zweiter Roman um Merrily Watkins beginnt wenige Monate nach dem Ende des ersten Bandes und den Ereignissen in Merrilys Heimatstadt Ledwardine. Der Autor verzichetet hier weitgehend auf eine erneute Einführung seiner Protagonisten und es gibt auch so gut wie keine Hinweise auf die Vorkommnisse aus dem ersten Roman. Der Leser wird direkt in neue, seltsame Ereignisse gestoßen, mit denen sich Merrily herumschlagen muss. Altbekannt sind hingegen die Schwierigkeiten und Selbstzweifel hinsichtlich ihres Jobs, mit denen sich Merrily auseinander setzen muss sowie mit den Problemen, die sie mit ihrer heranwachsenden Tochter Jane hat. Gerade Jane hat hier einen noch etwas stärkeren Part als schon im ersten Buch. Für Leser, die den ersten Roman nicht kennen, eignet sich der zweite Band nicht als Einstieg. Rickman setzt die Kennntnis um die Familienverhältnisse, die Probleme in Merrilys Job und um den ein oder anderen hier wieder auftauchenden Protagonisten voraus. Ich könnte mir vorstellen, dass es schwierig ist, ohne all dies einen Zugang zur Welt von Merrily Watkins zu finden. Wer das erste Buch aber kennt, wird sich schon nach wenigen Seiten wieder heimisch fühlen, Merrily auf ihrem steinigen Weg begleiten und hoffen und bangen, dass sie und Jane die richtigen Entscheidungen treffen. Die persönlichen Probleme der beiden sind hier eingebettet in eine mysteriöse Geschichte um Energielinien, keltische Rituale, mittelalterlichen Aberglauben und das Ur-Böse. Zunächst scheint all dies nicht in einem Zusammenhang zu stehen, erst spät verbinden sich die losen Fäden zu einem übergeordneten Ganzen mit einer überraschenden Auflösung. Durch den Verzicht auf erneute Einführung seiner Protagonisten nimmt die Geschichte fast von Beginn an ständig an Tempo zu. Wechselnde Schauplätze und Handlungsstränge sorgen dafür, dass beim Lesen keine Langeweile aufkommt. Die bedrückende Stimmung des Buches überträgt sich auf den Leser und sorgt für so manchen Gänsehautschauer und und scheelen Blick in dunkle Zimmerecken.
Rickmans Kombination von Krimi-Elementen mit übersinnlichen Phänomenen ist hier in diesem Buch noch stärker ausgeprägt als im Vorgänger. Ideal für Leser, die gerne mal über den Tellerrand der eigenen Bewusstseinsebenene hinausschauen.

Für mich ist diese Krimi-Reihe eine echte Entdeckung dieses Lesejahres gewesen. Ich freue mich auf ein baldiges Wiederlesen mit Merrily Watkins.