Weder Fisch noch Fleisch...

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crazyb00ks Avatar

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"Mord in der Provence" von Sandra Aslund erscheint in einer Zeit, in der es bereits verschiedene Autoren geschafft haben, sich mit gut gelungenen Krimireihen am Markt zu platzieren.
Allerdings fehlt der Protagonistin Hannah Richter in diesem südfranzösischem Krimi eindeutig die Größe, um an die Erfolge wie Madame le Commissaire oder Commissaire Dupin anzuknüpfen.
Der Versuch ist zwar da, bestimmte Dinge von anderen zu übernehmen. Es werden französische Worte eingewoben, und auch kulinarische Ausflüge finden sich wieder, allerdings ohne dass dabei eine Atmosphäre entsteht, in die der Leser eintauchen kann. Dafür sind die Beschreibungen einerseits zu langatmig, andererseits sorgt der Schreibstil mit eher kurzen Sätzen und schnell aufeinanderfolgenden Handlungssträngen für Hektik. Weder ist es ein gelungener Krimi, noch kann "Mord in der Provence" als Motivation und Information für das nächste Reiseziel herhalten. Neben der kriminalistischen Handlung gibt es ein bisschen Frauenfreundschaft, eine kleine Liebesgeschichte, Philosophie, Geschichte, Gutmenschentum und Beschreibung von Land und Leuten...
Und hier lag für mich die größte Schwäche dieses Buches: viele Dialoge sind nicht stringend durchdacht, wenn man im Hinterkopf hat, dass die Kommissarin Hannah Richter aus Köln stammt und über ein EU-Austauschprogramm in der Provence landet. So gut wie nie werden sprachliche Barrieren thematisiert, was definitiv nicht realistisch ist. Ich persönlich könnte trotz früherem mehrmonatigem Aufenthalt in Frankreich nicht auf Anhieb sagen, was "Hürdenlauf" auf Französisch heißt. Und wer schon mal versucht hat, eine Französin "Hannah" sagen zu lassen weiß, dass dies nicht gelingen kann... So sehr einerseits die Klischees von Pastis und Roséwein breitgetreten werden, so wenig ist dann andererseits die Handlung auf der Erlebnisebene realistisch. Und das vermiest zumindest mir das ganze Buch.

Die Lektüre durchhalten ließen mich letztendlich die enthaltenen Informationen zu den geschichtlichen Hintergründen. Den Ausflug in die Römische Antike fand ich sowohl unterhaltend als auch informativ. Auch die kleinen Ausflüge in die Philosophie stechen immer wieder positiv aus dem sonst intellektuell eher schmalbrüstigen Buch hervor

Für einen fesselnden Krimi ist das allerdings das falsche Genre. Somit fällt mein Fazit leider dementsprechend aus: "Non merci"