Für zwischendurch reicht es!

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wortteufel Avatar

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Ich muss gestehen, ich höre Hörbücher gern "nebenbei", z.B. beim Kochen oder Plätzchenbacken. Und auch für die diesjährige Weihnachtsbäckerei habe ich quasi etwas "Leichtes für Zwischendurch" gesucht. Da kam mir "Mordsmäuschenstill" gerade recht - ein bisschen Krimi, ein bisschen Humor, ein bisschen was fürs Herz. Doch wie das so ist mit den eierlegenden Woll-Milch-Säuen, oft ist das, was dabei tatsächlich herauskommt, doch leider etwas fade. So erging er mir auch mit Mordsmäuschenstill.
War die Geschichte zu Beginn des Hörbuchs noch amüsant und versprach auf eine herrliche humorige Ermittlungsarbeit vier psychisch nicht ganz gefestigter, ungleicher Charaktere, schlief das ganze leider sehr rasch ein. Die Ermittlungen wurden dann doch der Polizei überlassen und die Protagonisten waren erst einmal damit beschäftigt, ihre Libido auszuleben. Von Anfang an thronte über allem der Geist der "ermordeten" Psychologin. Irgendwie eine ganz charmante Idee, doch bis zum Schluss wollte sich mir der Sinn dieser geisterhaften Erzählerin nicht erschließen.
Vom Stil her ist der Roman sehr gelungen und wird aus der wechselnden Perspektive aller Protagonisten in der Ich-Form erzählt. Dennoch kann ich mir schwer vorstellen, dass die Geschichte als Buch zum Lesen funktioniert. Dafür ist die Handlung über weite Strecken einfach zu langweilig und lebt auch nur bedingt durch die durchaus interessanten, aber schwach ausgearbeiteten Charaktere. Die Sprecherin Yara Blümel, die ohne Zweifel zu den herausragenden, weiblichen Vertretern ihrer Zunft gehört, haucht dem ganzen erst Leben ein. Ich musste mich immer wieder fragen, ob ich die Figuren so erlebt hätte, hätte ich das Buch gelesen - ja, ob ich sie überhaupt hätte unterscheiden können. Um ehrlich zu sein, als abendfüllenden Fernsehfilm hätte das ganze wohl am meisten hergemacht.

Fazit: Ganz wenig Krimi, nur bedingt witzig und eigentlich gar nix fürs Herz. Ganz vergeudet war die Hörzeit dann zwar doch nicht - Yara Blümel sei Dank - aber empfehlen würde ich "Mordsmäuschenstill" nicht. Zum "nebenbei hören" war es jedoch ganz gut geeignet.