Bestechend schön

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blackie Avatar

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Auf die Leseprobe zu Mila Lippkes neuem Roman "Morgen bist Du noch da" sehe ich mit recht hohen Erwartungen entgegen, hat ihr letztes Buch "Irgendwie mein Leben" doch einen ganz besonderen Platz in meinem Regal. Ob sie es auch hier wieder schaffen wird, mich zum lachen und zum weinen zu bringen? Die Leseprobe jedenfalls deutet es durchaus an...
Im ersten Kapitel lernen wir ein kleines Kind kennen, dass mit seiner Mutter und einigen anderen Erwachsenen auf einem Dachboden lebt. Wieso und weshalb, wird erst einmal im Dunkeln gelassen. Deutlich wird jedoch, dass das Mädchen in Angst lebt - ob es mehr Angst vor der Situation oder seiner Mutter hat, ist die Frage. Dann lernen wir Lioba kennen: es ist der Abend vor einer wichtigen Ausstellungseröffnung und ihre Freundin Tetra, eine Designerin, hat versprochen, Lio dabei zu unterstützen und ihr zur Seite zu stehen. Beide verbindet eine bewegte Vergangenheit als junge Hausbesetzerinnen in Berlin. Nun sind sie erwachsen und sehr erfolgreich. Lioba hat allerdings eine kleine Hiobsbotschaft für Tetra - sie ist schwanger, von ihrem verheirateten Liebhaber. Tetra geht davon aus, dass Lio ihr Kind nicht behalten wird. Doch Lio scheint sich gar nicht so sicher zu sein. Im Vorfeld der Ausstellung muss sich Lio den Fragen einer Journalistin stellen - denn ihre Kunst ist recht provokant und teilweise erotisch. Besonders wohl fühlt sie sich bei dem Gedanken daran nicht, dass auch ihre Mutter die Ausstellung besuchen wird...

Mich hat die Leseprobe sehr angesprochen. Lio und Tetra sind zwei sehr interessante und eigenwillige Frauen, die viel miteinander erlebt haben und sich deswegen wohl jetzt hinter ausgefeilten Ecken und Kanten verstecken. Nun bekommt die eine etwas, das sich die andere immer sehnlichst gewünscht hat - wie die beiden diese Situation wohl verarbeiten? Und ich bin auch gespannt, was es mit Lios Mutter und ihrem merkwürdigen Verhalten auf sich hat.
Mila Lippke hat es geschafft, mich wieder hinein zu ziehen - in das Miteinander und Gegeneinander der Charaktere. Ihre Beschreibungen sind kurz und klar, und doch gibt es hinter den Sätzen viel mehr zu entdecken, als man auf den ersten Blick zu erkennen meint. Mir gefällt vor allem das Wechselspiel der Gefühle wieder sehr gut- ich bin sehr gespannt auf die ganze Geschichte!