Geschichten rund um Verlorenes

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
heike baller Avatar

Von

Ruth Hogan beginnt mit einem irritierenden Einstieg - ein Reisender in einer Keksdose. Huch? Aufgefangen von jemandem, der das Fundstück beschriftet, mit Datum und Beschreibung, und seiner Sammlung einverleibt. Anthony Peardew sammelt seit Jahren, was andere verlieren. Das ist der eine Strang der Geschichte. Hier spielen Anthony, und Laura mit, dazu kommen Freddy, der Gärtner und Sunshine.
Der andere spielt in en 70ern und gibt mr als Leserin Informationen, die die "aktuellen" Akteure nicht haben. Bomber und Eunice sind hier die Hauptfiguren - hinzu kommt Bombers Schwester Portia, die meint, sie sei Schriftstellerin.
Verlorene Dinge gehen jemandem verloren, ja, aber sie sind nicht völlig weg - zumindest nicht, wenn Antony Peardew des Wegs kam, sie einsammelte und daraus Geschichten wob, die den dritten Strang in Ruth Hogans Buch darstellen - mal skurril, mal traurig, immer mit einer Zusatzebene. Wie Ruth Hogan diese drei Ebenen miteinander verwebt, ist schon sehr ansprechend, nimmt mich mit und - ja, es gefällt mir.

So lese ich aufmerksam, um alle versteckten Hinweise mitzubekommen - und freu mich an der Sprache. Der Verlust durch den Tod eines lieben Menschen z. B.:
"Anthony war gegangen und hatte eine Leiche zurückgelassen." (S. 66) - das fehlende "s" vor "eine" macht den Verlust so besonders dramatisch.
Ruth Hogan bringt mir "Sunshine" nahe, eine 19-Jährige, die von sich sagt, sie habe "Daunendrom".
Liebevolle Charakterzeichnung ist ein Merkmal von Hogans Buch - da gehe ich gern mit und lasse mich verzaubern.