Das Bildnis eines Jungen und seiner Krankheit

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wortteufel Avatar

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Nachruf auf den Mond
Nachruf auf den Mond
Nathan Filer
Rezension vom 05.07.2015 (79)

Matthew Homes verbringt einen wunderschönen Urlaub mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Simon an der englischen Küste. Doch am Ende ist Simon tot und für Matthew plötzlich alles anders als zuvor. In kleinen und großen Episoden aus seiner Erinnerung erzählt Matthew nun seine Geschichte und die seines Bruders, in dem verzweifelten Versuch, mit der Vergangenheit abzuschließen.



Das Bildnis eines Jungen und seiner Krankheit
Simon war anders. Er hatte das Down-Syndrom und doch hat Matthew seinen Bruder geliebt. Die beiden Jungen waren die besten Freunde und als Simon während eines Familienurlaubs zu Tode kommt, gerät Matts Welt aus den Fugen, denn ihn lässt die Frage nicht los, ob der Tod seines Bruders nicht doch seine Schuld war.

Doch auch Matt ist anders und die Schlange, die sich böse zischelnd durch die Äste seines Familienstammbaums schlängelt, hat ihn nicht verschont. Matt ist schizophren und eigentlich ist Simon gar nicht wirklich fort, denn er spricht noch immer zu Matt, steckt im Rauschen des Windes und in dem Rieseln der Salzkörner im Streuer und fordert seinen kleinen Bruder auf, mit ihm zu spielen.

Matt erzählt seine Geschichte selbst. Er tippt sie auf der alten Schreibmaschine, die seine Großmutter ihm geschenkt hat, oder auf dem Computer in der Tagesklinik, die er besucht. Es sind lange und kurze Kapitel aus seinem Leben und aus dem Simons und nach und nach wird das Bild um die beiden Jungen immer deutlicher, auch wenn die Geschichten aus Matthews schizophrenem Geist nicht immer ganz klar und eindeutig sind.

Es ist eine herrlich leichte Geschichte, die Matt erzählt. Mit seinen einfachen Worten stimmt er den Leser manchmal tottraurig, rühert ihn auf der nächsten Seite zu Tränen und bringt ihn darauf wieder zum Lachen. Am Ende ist vielleicht nicht alles wieder gut und doch ist es irgendwie besser.

Fazit:

Wer "Rain Man" oder "Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen" mochte, wird sich auch mit Matt gut verstehen und seine Geschichte gerne lesen. Es ist die Geschichte eines verrückten Jungen, der eigentlich gar nicht so verrückt ist, mit viel Einfühlungsvermögen und Fachkenntnis erzählt.