Die Liebe einer Familie

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rebellyell666 Avatar

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Inhalt:

Matthew Homes hat den tragischen Unfalltod seines geistig und leicht körperlich behinderten Bruders Simon nie verwunden. Im Rahmen einer schriftlichen Aufarbeitung per PC und Schreibmaschine berichtet er von seinem Alltag in der Psychatrie, erst zwangseingewiesen, dann in der Tagesklinik und seinem Verhältnis zu seinen Eltern. Matthew leidet an Schizophrenie. Warum dieses Lebensbildnis so verstrickt ist, erklärt uns Nathan Filer auf 315 inklusive eines kurzen Nachwortes.

Meine Meinung:

Wow! Ich bin wirklich beeindruckt, denn Filer hat ein kurzweiliges, aber nachhaltiges, rundes und stimmiges Werk geschaffen. Zwar rast auf den Leser mit Simons Tod, der Schizophrenie Matthews und das allgemeine Familien- und Therapieleben einiges ein, aber niemals so, dass man sich überfordert fühlt. Die einigermaßen kurzen Kapitel ermöglichen es dem Leser auch, das Buch einige Zeit beiseite zu legen und erst einmal das Gelesene verarbeiten zu können. Was keinesfalls heißen soll, dass ich das Buch zu irgendeiner Zeit anstrengend oder überfordernd fand. Filer schafft es auch, durch kleine Episoden etwas sehr rundes aus dem Buch zu machen.

Das Verhältnis der beiden Brüder ist schön geschildert: Sie streiten sich, sie vertragen sich, sie spielen miteinander und erleben echte Jungsabenteuer. Auch die Eltern passen super ins Bild. Die Mutter immer etwas besorgt, der Vater umsorgend und cool. Aber nie so, dass es künstlich oder gewollt wirkt. Als Simon tot ist, versteift sich die gemeinsame Mutter auf Matthew und stellt oft fest, er sei "zu blass".

Langsam entwickelt sich das Familienleben in eine ernste Richtung, vor allem, als Matthew in die Pubertät kommt. Warum Matthew schizophren ist, wird auch klar, das soll aber jeder selber lesen, sonst wird es ja langweilig. Ich muss wirklich sagen, dass das Buch mich total gepackt hat. Ich hatte vorher schon in der Leseprobe ein gutes Gefühl und das wurde mehr als übertroffen. Wie Filer auf die Geschichte gekommen ist, schildert er in einem kurzen Interview im Nachwort. Genau festmachen kann er es aber nicht. Und das macht einen guten Autoren aus: Wenn dieser sich in die Story begibt und sich leiten lässt.
Das Schöne: Das Buch hat keinen erhobenen Zeigefinger, kein "Du solltest, müsstest...", sondern ist vielmehr pure Liebe einer Familie, obwohl es oftmals nicht so wirkt. Aber das kennt ja jeder von Zeit zu Zeit.

Fazit: Für mich bereits jetzt eins der besten Bücher des Jahres 2015! Absoluter Lesetipp!