"Was im Dunkeln liegt, soll dort bleiben. Für immer unentdeckt."

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dasannalein Avatar

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Es hätte alles so schön sein können. Wunderbare geheimnisvolle Kulisse am halb verlassenen, geschichtsträchtigen Brenner, ein Südtiroler Kommisar mit einem süditalienischen Assistenten und ein brutaler, rätselhafter Mord.

Aber von Anfang an: am Brenner werden mitten in der Nacht Teile einer Leiche entdeckt. Kommisar Grauner aus Bozen wird um Hilfe gebeten. Er ermittelt mit seinem neapolitanischen Kollegen Saltapepe und stößt ziemlich schnell auf mehrere Hinweise und sich verdächtig verhaltene Personen. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass es einen Zusammenhang mit dem vor Jahren verübten Doppelmord an Grauners Eltern gibt...

Dies ist der 3. Fall des Südtiroler Ermittlerduos und mein erster Krimi von Lenz Koppelstätter. Die anfangs wirklich spannende und atmosphärisch dichte Handlung, konnte sich leider nicht über das gesamte Buch halten. Es tauchen in dem Buch viele Personen auf, die für mich so gewollt originell dargestellt werden. Auch die einzelnen Handlungsstränge waren mir zu konstruiert und zu bemüht. Auf einer halben Seite erfahren wir, welche Artikel es in dem Outlet-Center am Brenner zu kaufen gibt, very strange.

Auffällig waren auch die vielen Fragen die der Autor seinen Kommisar sich selbst stellen lässt. Schöner finde ich, wenn das der Leser während der Lektüre selbst macht.
Bis zuletzt blieb es für mich ein Rätsel warum der alte Mann auf so bestialische Weise ermordet wurde...

Sehr gut gefällt mir das Coverbild des Buches, das diese melancholische, leicht düstere Stimmung ausstrahlt. Auch sehr passend fand ich die Icons mit den kleinen Bergen die zwischen den einzelnen Kapiteln immer wieder auftauchen.

Die in einer Nebenrolle auftauchende Kollegin von Grauner, Frau Tappeiner, hat auch gleich mein Herz erobert - mehr von ihr!

Ein neues, mich begeisterndes Wort, habe ich auch gelernt: Flächenangst.
"Grauner hatte Flächenangst. Angst vor der Weite, dass er loslaufen und das Ende nie erreichen würde. Nie die Wand, die erleichternde Begrenzung, an der man hochklettern konnte. Um runterzuschauen. Um einen neuen Blickwinkel einzunehmen, um Dinge anders zu sehen." Sehr schön!!!

Fazit: mir war der Fall zu konstruiert, die Protagonisten gewollt originell und dadurch zu wenig authentisch, aber der Schluß des Krimis hat mich über alle Maßen überrascht :-)