Dunkler als die Nacht. Wilder als ein Tier. Näher als du glaubst.

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
arabella Avatar

Von

Drei Stunden im Zoo, spannende Handlung wie in Echtzeit. Die eigentliche Geschichte ist etwas skurril und wenig spektakulär: Gerade mal drei Stunden nehmen die Ereignisse ein, die die Amerikanerin Gin Phillips in ihrem Thriller "Nachtwild" beschreibt, aber diese drei Stunden haben es in sich. Der vierjährige Lincoln ist mit seiner Mutter Joan im Zoo und genießt es, in der ungewohnten Umgebung zu spielen. Die Dinosaurier-Entdeckungsgrube ist vielleicht ihr liebster Ort im Zoo – er liegt fernab der breiten Wege, weit hinter Karussell und Streichelscheune und den Volieren, inmitten des mit Unkraut überwucherten Gebietes, das einfach nur als 'WALDLAND' gekennzeichnet ist. Joan gefällt die planlose Fremdheit dieser Wälder, wo ab und zu der halbherzige Versuch gemacht wird, eine Attraktion zu präsentieren. Eine Seilrutsche hängt zwischen den Bäumen, aber sie sieht nie jemanden rutschen. Joan erinnert sich, dass es vor zwei Jahren animierte Dinosaurier und irgendwann auch einen Gruselpfad gab. Sie bemerkt Spuren von Attraktionen aus fernerer Zeit: große Felsblöcke, die echt aussehen, es aber wohl nicht sind, dazu Zäune aus halben Baumstämmen und eine Pionierhütte. Alles ohne erkennbaren Zweck. Joan registriert nur nebenbei, wie sich Lincolns Tonfall ändert, wenn er in die verschiedenen Charaktere schlüpft. Es geht auf den Abend zu, und die beiden sind gerade dabei, sich auf den Heimweg zu machen, als Schüsse zu hören sind. Bewaffnete Männer haben den Zoo überfallen und schießen auf alles, was sich bewegt. Plötzlich sind Mutter und Sohn in Lebensgefahr und Joan muss von Moment zu Moment improvisieren, um die Mörder nicht auf sich aufmerksam zu machen. Dabei stellt sich immer wieder das Problem, wie sie den Vierjährigen soweit beruhigen kann, dass er nicht durch seine kindlichen Reaktionen die Mörder auf sie aufmerksam macht. Als sie weitere Schüsse hört, flüchtet sich Joan mit Lincoln in ein leerstehendes Gehege. Das Leben ihres Sohnes hängt jetzt allein von ihr ab und davon, ob sie einen Weg finden wird, sie beide zu retten. Die Tat setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang denn jedes Geräusch, jede Bewegung kann tödlich sein. Sie muss Entscheidungen treffen und Dinge tun, die sie nie für möglich gehalten hätte. Das eigentlich spektakuläre an dieser Geschichte ist die Art und Weise, wie Gin Phillips die Geschichte erzählt. Sie wählt ihre Worte mit bedacht und schafft es, Situationen aber auch Gefühle sehr plastisch darzustellen. Fast erscheint es beim lesen als verweile man mit Joan und ihrem vierjährigen Sohn Lincoln im Zoo als stiller Begleiter. Die Sprache ist klar und schlicht, und doch spürt der Leser, dass diese gut aufgeräumte Oberfläche Geheimnisse birgt. Absolut spannend und überaus geheimnisvoll. Phillips erzählt die Handlung sehr dicht und mit so vielen Details, dass diese fast wie in Echtzeit erzählt scheint.