Mutterinstinkte

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silly2207 Avatar

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Wie so oft verbringt die junge Joan gemeinsam mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln ihre Freizeit im Zoo. Doch als sie sich kurz vor Schließung mit ihrem Sohn auf dem Weg zum Ausgang macht, hört sie Schüsse und sieht direkt beim Ausgang Tote und Verletzte liegen. Doch wo sind die Täter? Kurzerhand flüchtet sie mit Lincoln zurück in den Zoo und sucht sich dort ein Versteck. Wer sind die Täter? Amokläufer? Und wo ist die Polizei? Mit einer Mischung aus Angst vor den Tätern und Mut, alles für ihren vierjährigen Sohn zu tun, wartet sie auf Hilfe. Plötzlich klingt jedes noch so kleine Geräusch bedrohlich, doch eins weiß Joan mit Sicherheit, niemals wird sie es zulassen, dass Lincoln etwas geschieht.
Meine Meinung

Das Cover ist schlicht gehalten und wirkt so düster, dass es gleich auf den ersten Blick meine Neugier weckte. Auch der Klappentext liest sich sehr spannend, zu Beginn des Buches war ich ein wenig hin- und hergerissen, weil es sehr schleppend zu lesen war und mich nicht sofort packen konnte, aber der Schreibstil ist direkt und schnörkellos, was in diesem Fall so fesselnd wirkte, dass ich doch weiterlesen wollte. Allein durch die gewählte Zeitform, der Gegenwart hatte ich permanent das Gefühl, dass ich hier mit beobachten konnte, was da gerade geschah und fühlte mich beinahe, als wäre ich selbst vor Ort.
Das Buch beginnt erst sehr ruhig, sehr langsam und man liest zunächst eigentlich nur die typischen Momente einer Mutter mit ihrem Kind im Zoo. Doch ab dem Moment, wo die ersten Schüsse fallen, wendet sich das Blatt, denn ab da wird es interessant. Man verfolgt Joan, beobachtet ihr Verhalten und kann mehr als deutlich nachempfinden, was in ihr vorgeht, vor allem, wenn man selbst Mutter ist. Diesen Mutterinstinkt, dieses unbedingte beschützen wollen des eigenen Kindes, konnte ich absolut nachempfinden. Die Beschreibungen, wie sie ihr Kind dazu drängt still zu sein, denn gerade ein noch so kleines Kind kann diese Gefahren einfach noch nicht abschätzen, fand ich absolut glaubwürdig. Tatsächlich könnte ich es mir auch alles ganz genau so vorstellen, denn mein Sohn ist ebenfalls gerade vier Jahre alt, ein riesiger Superheldenfan und kann in manch einer Situation dann auch einfach nicht still sein. Ich habe ab diesem Moment mit Joan mitgezittert und mitgefiebert und auch mir gingen Gedanken durch den Kopf, wie “wehe, einer von euch kommt meinem Kind zu nahe”. Manch eine Entscheidung, die sie hier fällt oder eher fällen muss, mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, doch ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eine Mutter in dem Moment nur eine Priorität hat: nämlich das eigene Kind zu beschützen. Eine Sache an der Handlung fand ich dann doch ein wenig merkwürdig, denn ich hatte hier das Gefühl, dass zum einen Joan eher die Polizei hätte einschalten müssen, da sie mit ihrem Handy ja auch zu ihrem Mann Kontakt aufnimmt, zum anderen hat es sehr lange gedauert, bis die Polizei wirklich aktiv wurde, wobei ein Zoo auch sehr groß und alles andere als übersichtlich ist.
Erzählt wird die Geschichte von einem personellen Erzähler in der dritten Person, dabei bleibt der Leser genauso im unklaren, was da eigentlich passiert ist, wie auch die Protagonistin Joan. Meist wird die Situation auch aus ihrer Sicht geschildert, ab und an bekommt der Leser aber auch Einblicke auf die Perspektive anderer Überlebender, sowie der Täter.
Joan ist die Protagonistin der Geschichte und sie machte für mich einen sehr glaubwürdigen Eindruck. Wie ich bereits erwähnte, ist ihr Hauptaugenmerk in dieser Situation auf ihren Sohn Lincoln gerichtet und die eigenen Bedürfnisse oder auch das Helfen anderer wird zur Nebensache. All das war, wenn vielleicht an manch einer Stelle nicht moralisch, so doch recht realistisch. Auch das Verhalten des kleinen Jungen war hier realistisch dargestellt, gerade zu Beginn merkt man, dass er das ganze in keinster Weise einschätzen kann, erst als es brenzlig wird, verspürt auch der Kleine, in welch bedrohlicher Situation sie sich befinden. Weitere Charaktere sind hier eher oberflächlich, wobei gerade einer der Täter doch mehr Tiefe verliehen wird, weil man hier miterlebt, aus welchen Beweggründen er so handelt und diese erleben wir in der Realität in letzter Zeit leider immer häufiger.
Mein Fazit

Sehr eindringlich beschreibt die Autorin Gin Phillips eine Situation, die leider gar nicht so abwegig scheint. Auch wenn ich zu Beginn kleine Startschwierigkeiten hatte und hin und wieder ein wenig anzweifelte, ob die Handlung nicht auch anders verlaufen könnte, fand ich gerade die Darstellung des Mutterinstinktes hier absolut glaubwürdig, denn ich denke, dass jede Mutter erst einmal die Pritoritäten auf das eigene Kind legen würde und dadurch alles andere in den Hintergrund drängt. Wer hier ein wenig zu Beginn durchhält wird mit einer spannende Geschichte belohnt, die zwar erst im letzten Teil Tempo bekommt, die aber durch die Beschreibungen der Situationen und der dabei entstehenden Emotionen mitreißend wirkt.