Kinderheim "Frohsinn"

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helga Avatar

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Hauptkommissarin Judith Krieger stößt beim Joggen auf einen Toten ohne Gesicht. Die Nachforschungen ergeben, dass es sich um Jonas Vollenweider handelt, der vor 20 Jahren seine Eltern und seine Schwester ermordet haben soll. Er stand damals unter Mordverdacht, aber die Leichen wurden nie gefunden und jetzt wurde er selbst ermordet.

Judith Krieger und ihr Partner Manni Korzilius nehmen die Ermittlungen auf und die führen sie weit in die Vergangenheit zurück, in der die Eltern von Jonas das Kinderheim „Frohsinn“ leiteten. Das Schicksal der Kinder geht bis in die NS-Zeit zurück. Was ist damals passiert? Ist der Mörder ein ehemaliges Heimkind und nimmt Rache? Für Judith und Manni sind das sehr aufwendige Ermittlungen, noch dazu, wo sie kaum weiterkommen und der Täter ihnen immer einen Schritt voraus ist. Dann nimmt er auch noch direkten Kontakt zu Judith auf und sie versteht nicht, warum er gerade sie ausgesucht hat.

Gisa Klönne hat diese Geschichte sehr gut aufgebaut und sie findet an verschiedenen Schauplätzen statt. Es wird auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt. Aus dem von René Zobel, dem Polizeireporter, der natürlich eine große Story herausbringen will und aus dem von Eric Sievert, der im Steiner Wald mit einem Metalldetektor nach vergrabenen Schätzen sucht und dabei auf Knochen stößt. Außerdem meldet sich auch der Mörder zu Wort. Die Kapitel sind in Tage eingeteilt und bei jedem neuen Tag teilt uns der Mörder seine Gedanken mit.

Vordergründig und sehr eindringlich wird die Geschichte der NS-Zeit im Kinderheim erzählt. Nach und nach erfährt man von dem Schicksal dieser abgeschobenen Kinder, von den furchtbaren Qualen, die sie erleiden mussten und keiner hat sich um sie gekümmert. Sie haben großteils einen seelischen Schaden davongetragen und der Mörder, der offensichtlich auch ein Heimkind war, ist mit Hass erfüllt. Wenn alles nicht so furchtbar wäre, könnte man fast Mitleid mit ihm haben.

Es handelt sich hier bereits um den 5. Fall und daher sind mir die Ermittler Judith und Manni schon sehr vertraut. Gisa Klönne hat sie aber auch hier wieder sehr gut und detailliert dargestellt, mit all ihren privaten Sorgen und Nöten, sodass man sie, auch ohne andere Bände gelesen zu haben, gut kennenlernt. Auch alle anderen Personen werden sehr genau gezeichnet und man erfährt einiges über sie, ohne dass es den Fluss der Ermittlungen stört. Es ist ein langer und schwieriger Weg bis zur Aufklärung dieser Geschichte, trotzdem geht die Spannung nicht verloren und es lässt sich sehr flüssig lesen.

Eine düstere Geschichte, die mir gut gefallen hat, aber die auch aufrüttelt und zum Nachdenken anregt.