Die Geschichte einer großen Liebe

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stardust63 Avatar

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Nora Barnacle lernt James Joyce Anfang des 20.ten Jahrunderts in Dublin, wo sie als Zimmermädchen arbeitet, kennen und verliebt sich auf der Stelle in den Freigeist.
Sie ist 20, aus dem nordwestlichen Galway, er 2 Jahre älter. Da sie beide der gefühlten Enge Irlands entfliehen wollen, ziehen sie erst nach Paris, dann nach Triest, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte, in eine völlig andere Welt mit anderem Klima, einer anderen Art zu leben.
Ihr Leben dort bestimmt lange Zeit Armut und Verzicht. James arbeitet als Sprachlehrer an der Berlitzschule aber vertrinkt das meiste Geld, so dass Nora, die er immer noch nicht geheiratet hat, auch in ihren Schwangerschaften gezwungen ist, mit zu arbeiten. James Bruder Stan zieht ebenfalls nach Triest und ist der Familie oft eine Stütze, er sorgt aber auch für einige Turbulenzen in der Partnerschaft des Paares.

Ich hatte ganz am Anfang etwas Schwierigkeiten mit dem Stil, da das Buch in Tagebuchform geschrieben ist, aus der Sicht von Nora.
Dann fesselten mich aber die Charaktere und ich war bezaubert von dieser Frau, die so früh eine solche Eigenständigkeit und Stärke bewiesen hat und alles an Sicherheit in Irland für Ihre große Liebe aufgibt. James Joyce kannte ich vorher nur als scharfzüngigen Autor, es ist sehr interessant über seinen schwierigen aber auch sympathischen Charakter Einblicke zu bekommen.

Das Buch in Tagebuchform zu schreiben, ist, im Gegenteil, sehr positiv zu bewerten, da man die eher kurzen Kapitel gut lesen kann und sich das Leben dieses exzentrischen Paares so noch viel besser darstellt.

Das Buch hat einige sehr erotische Momente, da das Paar zwar unterschiedlich in ihren Weltanschauungen ist, sie verantwortungsbewusst und vernünftig denkend, er eher ein Lebemann und oft pflichtvergessend, aber in der Liebe zueinander sind sie sich immer wieder sehr nah. Der Sex, den sie immer miteinander genießen wird oft mit deftigen Worten beschrieben.

Die Autorin Nuala O'Connor schreibt unverblümt und nichts auslassend über die körperliche und seelische Verbundenheit von Nora und Jim und die schwierige Zeit, besonders in den Jahren 1904 bis 1915.
Sie hält den Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende und hat mich neugierig auf ihre vorherigen Bücher gemacht.

Einzig, der Titel des Buches erschließt sich mir in der deutschen Ausgabe nicht wirklich.

Ich gebe für das Buch eine ganz klare Leseempfehlung.