Jede Sekunde zählt - in doppeltem Sinn

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Allgemeines und erster Eindruck

„Ocean City“ ist ein Jugendroman der Autoren Christian Tielmann und Frank Maria Reifenberg, die hier unter dem Namen R. T. Acron zusammengefasst sind. Das Buch erscheint im Hardcover bei dtv. Es ist 266 Seiten lang und kostet 14,95€. Das Cover ist toll gestaltet, nimmt Bezug auf die Handlung und sticht sofort ins Auge. Der Farbschnitt wertet das Motiv noch einmal deutlich auf.

Schreibstil

Wie bei einem Jugendroman nicht anders zu erwarten, ist der Schreibstil recht simpel gehalten. Dadurch lässt sich das Buch sehr zügig lesen. Ebenfalls verzichten die Autoren im weitesten Sinne auf ausschweifende Beschreibungen, beispielsweise der Umgebung. Das ist für den erwachsenen Leser fast ein bisschen schade, dürfte aber zur Zielgruppe passen.

Das Setting

Der Roman spielt im fiktiven 22. Jahrhundert. Schauplatz ist „Ocean City“, eine gigantische, schwimmende Metropole irgendwo auf dem Meer. Aber das ist nicht das einzig besondere an der Stadt – anstelle von Geld ist die gängige Währung hier Zeit. Mit ihr bezahlt man so gut wie alles und jede freie Minute muss hart verdient werden.

Zum Inhalt

Jackson, Crockie und Henk gehen auf die gleiche Schule und sind beste Freunde. Gemeinsam kommen sie eines Tages auf die Idee, einen Transponder zu bauen, der es ihnen ermöglicht, Zeitkonten zu hacken. Der Gedanke dabei? Crockies Eltern etwas zusätzliche Zeit verschaffen, sodass sie ihren Hochzeitstag feiern können. Allerdings fliegt die ganze Sache schneller auf, als gedacht. Eines Morgens, auf dem Weg zur Schule, geraten Jackson und Crockie in eine Kontrolle. Sie ergreifen die Flucht, wobei Crockie angeschossen wird und in den Kanal stürzt. Jackson kann entwischen. Er ist sich sicher: Crockie kann nicht überlebt haben, immerhin konnte er nicht schwimmen. Bald werden auch Crockies Eltern verhaftet. Jackson weiß, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er und Henk ins Visier der Fahnder geraten …

Die Protagonisten

Jackson ist siebzehn Jahre alt und besucht die Kellington High School, die angesehenste Schule von Ocean City. Er ist ein schlauer, ruhiger und zurückhaltender Kerl. Er ist sehr sportlich. Er liebt seine kleine Schwester Celine über alles. Gemeinsam mit seinen Freunden Crockie und Henk bastelt er an dem Transponder, ohne jedoch zu ahnen, worin er sich damit verstrickt.
Crockie ist Jacksons bester Kumpel und geht auf die gleiche Schule. Vor einiger Zeit hatte er einen schweren Unfall und musste ganz von vorne anfangen. Seitdem ist es für ihn nicht mehr wichtig, Zeit zu scheffeln, sondern Zeit zu genießen. Er ist sehr relaxed, etwas rebellisch und lebt am liebsten in den Tag hinein. Crockie tüftelt ohne das Wissen seiner Freunde an dem Transponder weiter und nimmt ihn schließlich in Betrieb. Damit setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, die ungeahnte Folgen nach sich zieht.
Auch die anderen auftretenden Charaktere sind gut durchdacht, heben sich voneinander ab und rufen sowohl Sympathie als auch Antipathie hervor.

Fazit

Die Leseprobe von „Ocean City“ hat mich gerade aufgrund der „Zeit-als-Währung“-Thematik angesprochen. Tatsächlich schaffen es R. T. Acron, diesen zentralen Handlungspunkt toll in Szene zu setzen und zum Nachdenken anzuregen. Gerade die Probleme, die mit einer solchen Währung und Lebensweise einhergehen würden, werden sehr deutlich hervorgehoben. Das geschieht jedoch, ohne den Roman damit auszubremsen – dafür sorgen die vielen überraschenden Wendungen und der Action-Aspekt, der in diesem Buch nicht zu kurz kommt.
Der Schauplatz und die Charaktere sind liebevoll gestaltet. Man kann sich in beides sehr gut hineinversetzen, auch wenn R. T. Acron auf ausschweifende Beschreibungen verzichten. Man kann sich mit Jackson sehr gut identifizieren und schließt auch die anderen Charaktere schnell ins Herz.
Ein actionreicher, aber auch nachdenklicher Jugendroman, der nicht einfach nur irgendeine Handlung herunterspult, sondern mit Biss und einem kontroversen Kernthema daherkommt.

Kauf-/Leseempfehlung: Ja.