Lenchen, Karl und die Revolution

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
büchermaus1 Avatar

Von

Inhalt:
In Zeiten todbringender Armut und Ausbeutung muss sich Lenchen Demuth schon fruh als Dienstmadchen verdingen. Im Haushalt der Familie Marx wird sie der jungen Ehefrau Jenny zur engen Freundin – und bald auch Vertraute des großen Philosophen Karl Marx. Fasziniert verfolgt sie seine Studien und erkennt bald, dass diese auch mit ihrem eigenen Leben zu tun haben.
Doch dann verliebt sich Lenchen rettungslos in Karl Marx. Als sie ein Kind erwartet, steht nicht nur ihre Freundschaft mit Jenny, sondern auch das Werk von Marx und Engels auf dem Spiel.
Mit tiefer historischer Kenntnis verweben die Beinert- Schwestern Fakten und Fiktion zu einem einfühlsamen Roman um eine geheime große Liebe.

Meine Meinung:
Bereits auf den ersten Seiten wird der Stand des kleinen Lenchens in der Familie auf sehr einfühlsame und zu Herzen gehende Weise beschrieben. Das gespaltene Verhältnis der Mutter zu ihr und die liebevolle Verbindung zu ihrem Vater. Pabbi, wie sie ihn liebevoll nennt. Durch ihn lernt sie das Schachspielen und bekommt ein Kissen mit weißen und schwarzen Karos und Schachfiguren mit einem Holzstöckchen, um sie in das Kissen einzustechen. Ein Steck-Schach, welches sie immer und überall dabei hat. Wenn der Vater der Arbeit nachgeht, übt sie in jeder freien Minute. Viele hat sie davon nicht, weil die Mutter sie für die häuslichen Pflichten einspannt.
Doch alles ändert sich mit dem Tag, als ihr geliebter Pabbi, beim Schachspielen mit ihr, einen Herzinfarkt bekommt und verstirbt. Mit ihren 8 Jahren weiß sie, dass sie ab jetzt keine ruhige Minute mehr zu Hause hat, da ihr größter Befürworter und Beschützer nicht mehr für sie da ist. Freunde hat sie auch keine wirklichen, denn Lenchen hat ein Handikap: sie wird von epileptischähnlichen Krämpfen geschüttelt und ist deshalb im Haushalt keine wirkliche Hilfe. Doch Lenchen will sich nicht unterkriegen lassen und geht von zu Hause fort, um in der Ferne Geld für die Familie zu verdienen. Ihr Weg führt sie bis nach Trier, wo sie Jenny und Karl Marx begegnet. Sie kommt zuerst in Jennys Familie als Dienstmädchen unter und geht dann nach Jennys Heirat mit Karl mit in deren Haushalt über. Lenchen arbeitet eisern daran, ihr Handikap zu beseitigen.
Das Leben der drei wird immer wieder auf harte Proben gestellt. Zum einen wird Lenchen bald zur Haushälterin und hält das Geld der Familie zusammen, weil Karl stark dem Alkohol zugetan ist und die Existenz immer wieder auf der Kippe steht und einige Umzüge nach sich zieht. Und ihr Verhältnis zu Karl, wird nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser. Sie verliebt sich sogar in ihn.
In der Schule waren Karl Marx und Friedrich Engels immer Thema im Geschichtsunterricht. Aber da ging es vorwiegend um die Revolution der beiden. Dieses Buch erzahlt die Sicht der Frauen in Karl Marx‘ Leben.
Hier wurde die Realitat liebevoll mit weiteren Elementen umwoben. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, so dass man auch nach einiger Auszeit schnell wieder ins Geschehen findet. Sehr gut hat mir hier wirklich die Darstellung des Lenchen gefallen, die sich über das Buch, die Jahre hinaus echt gemausert und nicht unterkriegen lassen hat. Und auch Karl kann so mal von seiner familiaren Seite kennnenlernen.

Fazit:
Ein Blick hinter die Revolution, mit klar gezeichneten Charakteren und ihren direkten Vorstellungen vom Leben in einer mehr als schwierigen Zeit. Ich fühlte mich jederzeit gut und spannend unterhalten.