Eine einfühlsame Geschichte über kleine und größere Alltagsprobleme

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Rikka – wirklich für immer

Eigentlich wäre alles gut so wie es ist, findet Rikka. Doch dann geht plötzlich alles drunter und drüber und mit einem Mal steht ihre Welt Kopf. Nicht nur, dass ihre aller beste Freundin sich plötzlich verliebt und nur noch Tom im Kopf hat. Auch bei Rikka Zuhause läuft nicht alles glatt. Als Kind einer Patchwork-Familie fühlt sie sich nirgends wirklich dazugehörig. Und dann taucht da auch noch der neue Nachbarsjunge auf…

Nylund, Maiken: Rikka- wirklich für immer.
Übersetzt von Maike Dörris.
Egmont SchneiderBuch, Februar 2020.
128 Seiten, 10,00 €.
ISBN 9783505143397.
Empfohlen ab 9 Jahren.

Inhalt
Im Leben der 10-jährigen Rikka läuft gerade vieles nicht so leicht, wie sie es sich wünscht. Ihre beste Freundin hat auf einmal nur noch Augen für Tom, Rikkas Nachbarn. Deshalb soll Rikka sie und Tom verkuppeln. Doch irgendwie geht der Verkupplungsversuch schief und Rikka steht plötzlich ganz ohne beste Freundin da. Ihre Familie ist ihr dabei auch keine große Unterstützung. Zwar bemühen sich ihre geschiedenen Eltern und deren neue Partner sehr um Rikka, doch als Kind einer Patchworkfamilie fühlt sich Rikka einfach nirgendwo richtig dazugehörig. Immerhin haben sowohl ihre Mutter mit ihrem neuen Freund als auch ihr Vater mit seiner neuen Partnerin wieder Kinder bekommen. Die sind also wieder eine richtige Familie. Nur Rikka muss immer zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter hin und her pendeln. Als wären das nicht schon genug Baustellen, zieht im Haus gegenüber auch noch eine neue Familie ein. Und der neue Nachbarsjunge will ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Rikka ist mit der gesamten Situation überfordert. Doch als ihr alles zu viel wird und sie sich bei ihrer Oma die Probleme von der Seele reden kann, merkt sie, dass es für alles eine Lösung gibt. Manchmal muss man nur den Mut haben, die Dinge auszusprechen, um Hilfe zu fragen und auch sich auch eigene Fehler eingestehen können. Sie spricht sich mit ihrer Familie aus, entschuldigt sich bei ihrer Freundin und findet in dem neuen Nachbarsjungen eventuell mehr wie einen Freund. So geht am Ende doch noch alles gut aus.

Kritik
In ihrem Buch behandelt die norwegische Autorin Maiken Nylund nicht nur die Themen Freundschaft und erste Liebe. Durch die Patchwork-Konstellation von Rikkas Familie wird auch diese Thematik mit in die Geschichte einbezogen. Dabei schafft es die Autorin die Situation gekonnt aus dem Blickwinkel eines 10-jährigen Mädchens wiederzugeben. Durch viel Einfühlungsvermögen gelingt es ihr, dass auch die Leser und Leserinnen nachvollziehen können, wie sich Rikka fühlt und weshalb sie wie reagiert. Es ist gut verständlich, dass Rikka einen kleinen Wutausbruch bekommt, als ihr alles zu viel wird. Dass sie die neue Freundin ihres Vaters doof findet, die sie immer „Bonus-Tochter“ nennt, oder dass sie Angst hat, ihre Freundin könnte nur noch Zeit mit dem Jungen verbringen, in den sie sich verliebt hat. Neben der realistischen Schilderung der Handlung aus Rikkas Sicht, bleibt zudem hervorzuheben, dass auch der Blickwinkel der Erwachsenen leicht angeschnitten wird. Am Ende des Buches erfahren die Leser und Leserinnen daher, dass die Lebensgefährtin des Vaters nur alles richtig machen wollte. Sie hatte in einer Zeitschrift gelesen, dass man die Stieftochter unter anderem „Bonus-Tochter“ nennen solle, da dies einen positiveren Klang habe. An dieser Stelle wird somit vermittelt, dass auch Erwachsene trotz guter Absichten Fehler machen können. Neben diesen Hauptthemen spielen auch andere Alltagsprobleme eine gewisse Rolle. So begegnen Rikka auch Gruppenzwang und Hänseleien in der Schule. Obwohl diese Themen den meisten Kindern in ihrem Alltag begegnen und somit das realistische Bild der Geschichte abrunden, sind es an dieser Stelle doch zu gewichtige Thematiken, um nur nebenbei miteingeflochten zu werden. Eine Konzentration auf Freundschaft, Liebe und Patchwork-Familie wäre ausreichend gewesen. Ansonsten hätten die anderen Aspekte ebenfalls tiefer behandelt werden müssen, um ihrer Gewichtigkeit zu entsprechen.
Das am Schluss alles gut ausgeht, hinterlässt beim Lesen ein angenehmes Gefühl zurück. Auch der Bogen, der die Geschichte zu diesem Happy End führt, bleibt nachvollziehbar und realitätsnah. Kritischer ist hierbei einzig die Tatsache zu betrachten, dass Rikkas Papa und seine neue Familie wieder in die nähe von Rikkas Zuhause ziehen will. Dass geschiedene Paare sich weiterhin freundschaftlich begegnen, wird zwar keine Seltenheit sein. Dennoch, gleich in dieselbe Gegend zu ziehen ist doch ein wenig überspitzt.
Der Schreibstil der Autorin, geprägt durch meist kurze Sätze und angenehme Schrittgröße, ist dem Lesealter ab 9 Jahren angemessen. Auch die Gestaltung des Buches macht das Lesen für die Kinder leichter. Neben dickerer Papierstärke und der ansprechenden Hardcover-Gestaltung, besticht das Buch mit Illustrationen von Cathrine Sandmael. Die schwarz-weißen Zeichnungen leiten jedes Kapitel thematisch passend ein und verschönern zudem das Vor- und Nachsatzpapier.

Fazit:
Mit dem Buch „Rikka -wirklich für immer“, ist der norwegischen Autorin Maiken Nylund ein Kinderbuch gelungen, dass realistisch kleine und größere Alltagssorgen thematisierter. Die zentralen Aspekte Freundschaft, erste Liebe und (Patchwork-) Familie werden ausführlich und authentisch beschrieben. Dabei wird auch auf mögliche Lösungen eingegangen, wobei vor allem Mut, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, sich eigene Fehler einzugestehen, eine wichtige Rolle spielen. Das etwas zu gute Ende und die weniger behandelten, jedoch sehr gewichtigen Themen des Gruppenzwangs und Hänseleien, bleiben dagegen kritisch zu betrachten.
Trotzdem bleibt es eine einfühlsame, abwechslungsreiche Geschichte mit schöner Gestaltung für Leser und Leserinnen ab 9 Jahren.