Unfassbar mitreißend mit wichtiger Thematik

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Eigentlich hatte ich erst gar nicht vor, „Sadie“ auch wirklich zu lesen. Vielmehr hatte ich es für meine Schwester ausgesucht, die total auf Krimis und Thriller steht. Aber spätestens als diese anfing, mich fast schon dazu zu nötigen, das Buch zu lesen, musste ich einfach nachgeben und ich kann nur so viel sagen: Es hat sich wirklich gelohnt!

Kurze Zusammenfassung:
Sadie wächst mit ihrer jüngeren Schwester Mattie und ihrer Mutter in bedenklichen Verhältnissen auf. Als ihre Mutter abhaut und Mattie kurz darauf ermordet wird, bricht Sadies Welt in sich zusammen. Die Polizei stellt weitere Ermittlungen zu Matties Mord ab, da es keine Spur für sie gibt. Doch Sadie kennt ihre Schwester besser als jeder andere. Sie weiß, wer Mattie umgebracht hat, und sie muss ihre Schwester retten, koste es, was es wolle. Sadies Verschwinden veranlasst den Journalisten West McCray dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Langsam deckt er die Hintergründe um den Mord an Mattie auf und weiß aus einer Intuition heraus, dass er sich beeilen muss, wenn er Sadie finden will.

Meine Meinung:
Ich fand den Inhalt des Buches wirklich interessant, allerdings erschien mir der Klappentext zunächst auf eine klischeehafte Storyline anzuspielen. Dass „Sadie“ jedoch eigentlich genau das Gegenteil parat hält, hätte ich nie gedacht, wenn meine Schwester mich nicht vorgewarnt hätte. Tatsächlich gefällt mir der Inhalt des Buches wirklich gut, weil er eben mal etwas Anderes ist und alles leicht zu verstehen war. Besonders die Thematik der Hintergrundgeschichte rund um Matties Mord hat mir gut gefallen, da sie den Mut der Autorin gezeigt hat. Mit solchen Themen kann man sich leicht auf ganz dünnes Eis begeben, allerdings fand ich das in diesem Fall sehr gut gelöst und deshalb hat Courtney Summers meiner Meinung nach auch ein wirklich großes Lob verdient.
Anfangs fand ich es aber ziemlich schwer, mich an den Stil des Buches zu gewöhnen. Wahrscheinlich hätte ich es leichter gefunden, wenn die Geschichte nicht direkt mit einem Podcast angefangen hätte, sondern direkt mit einem Kapitel aus Sadies Sichtweise. Erst später habe ich durch den ganzen Podcast-Kram durchgeblickt, was ich ziemlich schade fand, da die Idee wirklich fantastisch ist. In den Kapiteln aus Sadies Sicht hingegen bin ich wirklich gut zurechtgekommen, konnte mich komplett in ihre Situation hineinversetzen und habe mit ihr mitgefiebert – nicht zuletzt, um zu verstehen, warum sie denn nun abgehauen ist und woher sie weiß, wer Matties Mörder ist. Der Schreibstil der Autorin hat mir in diesen Teilen wirklich gut gefallen, allerdings kann bei den Podcasts nicht wirklich von Schreibstil die Rede sein. Es gibt keine Erklärungen davon, was zwischen den einzelnen Aufnahmen passiert, aber wenigstens haben die Charaktere authentisch gewirkt durch die Art, wie sie miteinander gesprochen haben und welche Wörter sie benutzten.
Die gesamte Handlung des Buches war ineinander schlüssig und letztlich auch leicht zu verstehen, obwohl man sich während der Geschichte manchmal die altbekannten Fragen nach dem Wie und Warum und natürlich nach dem Wer gestellt hat, wie sie bei Krimis und Thrillern einfach nicht fehlen dürfen.
Einen besonderen Pluspunkt bekommt das Buch von mir durch die vielen unterschiedlichen Charaktere, die einander zeitweise wirklich nicht unähnlicher sein könnten. Selbst in den Podcasts konnte man das Verhalten der Personen immer dem jeweiligen Charakter zuordnen, den man zuvor oft bereits in den Kapiteln aus Sadies Sicht kennengelernt hat. Was mir jedoch ein wenig gefehlt hat, war die einfache Einbindung des Aussehens in die Geschichte. Zwar wurde in den Podcasts von McCray immer das Aussehen der Befragten beschrieben, und auch Sadie hat immer direkt das Aussehen abgecheckt, allerdings geschah dies eher offensichtlich und nicht nebensächlich und mal zwischendurch wie bei den meisten anderen Büchern der Fall. Das ist aber auch ein Kritikpunkt, der von Leser zu Leser unterschiedlich gewertet werden dürfen, da er einfach etwas mit Geschmack zu tun hat.
Insgesamt hat mir das Lesen anfangs nicht ganz so viel Spaß gemacht, weil ich immer viel zu viel nachdenken musste, wer in den Podcasts jetzt wie zu wem spricht, aber als ich den Dreh raushatte, ging es flüssig weiter und ich konnte alles verstehen und hinterfragen.

Fazit:
„Sadie“ ist ein unfassbar mitreißendes Buch, bei dem mich besonders die wichtige Thematik des Hintergrunds überzeugt hat. Anfangs war es durch die Podcasts ein wenig schwierig, sich in der Geschichte einzufinden, aber nach einiger Zeit konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.