Quest im Stile von Douglas Adams

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reishimura Avatar

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Anne hat zwei große Wünsche: Das Waisenhaus Saint Lupin’s verlassen und auf eine Abenteurerakademie zu gehen. Doch beides gestaltet sich schwieriger als erwartet. Doch plötzlich überstürzen sich die Ereignisse. Nicht nur das Anne auf einer kleinen, unbekannten Abenteuerakademie aufgenommen wird, sie aktiviert auch gleich eine Mission der Stufe 13. Ohne Ausbildung und mit einem Zeitfenster von drei Tagen muss sie die Mission erfolgreich abschließen. Immer an ihrer Seite ihre beste Freundin Penelope und der geheimnisvolle Hiro. Ohne wirklichen Plan und dürftiger Ausstattung stürzen sich die drei in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Aber ihnen ist klar, wenn sie scheitern endet nicht nur ihre Karriere als Abenteurer, nein, es bedeutet das Ende der Welt.
Anne ist ein 13jähriges Mädchen und hatte es bis jetzt in ihrem Leben nicht besonders leicht. Aufgewachsen im Waisenhaus des Grauens musste sie schreckliches erleben. Harte körperliche Arbeit im Kohlebergwerk, nur Haferschleim zu essen und gemeine Strafen der Oberin. Sie weiß nicht wo sie herkommt, geschweige denn wer ihre Eltern waren. Einzig ihre Freundin Penelope und die Bücher die sich heimlich aus der Bibliothek „ausborgt“ versüßen ihr ihren harten Alltag ein wenig. Und natürlich die Aussicht möglichst bald das Waisenhaus zu verlassen und Abenteuer zu erleben.
Anne und Penelope gehen mutig an die Dinge heran auch wenn sie weder eine richtige Ausbildung, noch eine vernünftige Ausrüstung geschweige denn einen Plan haben. Zusammen sind sie stark und trotzen jeglichen Schwierigkeiten die ihnen in den Weg gelegt werden. Der Leser merkt sofort, dass die beiden eine sehr innige Freundschaft verbindet.
Die Geschichte selbst erinnert sehr stark an eine Quest und ist an vielen Stellen total skurril und abgedreht. Autor Wade Albert White erzählt die ganze Geschichte mit einem Augenzwinkern und immer wieder gibt es Momente bei denen man lauthals Lachen möchte. Obwohl es sich hierbei definitiv um einen Abenteuerroman handelt, hatte ich doch immer das Gefühl dass der Autor das komplette Genre immer wieder durch den Kakao zieht. Er überspitzt viele Dinge und zieht sie dadurch ins Lächerliche, bindet dies aber wunderbar in die Geschichte ein, sodass man in einem fantastischen und völlig abgedrehten Abenteuer gefangen ist. Ein wenig erinnert mich dies an Douglas Adams‘ Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“, allerdings die Jugendvariante davon. Wobei auch Erwachsene auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.
Mit Saint Lupin’s Academy schafft der Autor das, womit Disney schon seit einigen Jahren großen Erfolg hat: Mit dem gleichen Werk Kinder und Erwachsene zu unterhalten und zu faszinieren. Natürlich interpretieren Erwachsene andere Dinge hinein, lachen an anderen Stellen oder aus anderen Gründen, aber Spaß haben sie sicher gleich viel wie der Nachwuchs.
Das Sprachniveau ist für das empfohlene Lesealter (ab 10 Jahren) angemessen, wirkt dabei aber nicht zu kindlich oder einfach. Die Spannungskurve zieht sich über das ganze Buch und ich persönlich hatte nie das Gefühl das sich der Autor in langatmigen oder ausschweifenden Erklärungen verheddert. Einige offene Punkte werden nicht restlos aufgeklärt, was in Anbetracht kommender Nachfolgebände aber zu erwarten war. Die Geschichte ist aber in sich abgeschlossen; die offenen Punkte betreffen hierbei eher die Charakterentwicklung.
Für mich als Fantasy-Fan war dieses Buch auf jeden Fall eine Überraschung. Einen klassischen Fantasy-Roman sollte man sich hierbei aber nicht erwarten, das dürfte aber bereits durch die Lektüre des Klappentextes klar sein. Dafür bekommt man einen wunderlichen, teilweise bizarren und fantastisch schrulligen Abenteuerroman mit einzigartigen Charakteren.