Sal

Tief bewegende Geschichte

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antheia Avatar

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SAL erzählt die bewegende Geschichte der 13-Jährigen Sal, die mit ihrer jüngeren Schwester Peppa ins schottische Hochland flieht, nachdem sie ihren Stiefvater getötet hat. Gemeinsam versuchen die beiden in der Wildnis zu überleben.

Mich hat dieser Roman sehr berührt und gleichzeitig auch betroffen gemacht. Der Autor hat mit Sal eine außerordentlich bemerkenswerte Figur geschaffen, die mit ihren 13 Jahren nicht nur akribisch einen Mord plant, sondern auch durch unzählige Online-Tutorials ihre Flucht in die Wildnis bis ins kleinste Detail vorbereitet. Die Ursache dafür ist genauso erschütternd: Sal wurde von ihrem Stiefvater missbraucht und der einzige Ausweg ihre Schwester davor zu bewahren, ist Mord. Gleichzeitig wächst Sal in einer zerrütteten Familie auf: die Mutter Alkoholikerin, die Kinder von unterschiedlichen Vätern. Schon früh muss Sal lernen Verantwortung zu übernehmen, für ihre Mutter und ihre kleine Schwester. Man kann Sal nicht genug bewundern für ihren Mut, aber auch ihre Stärke. Mit 13 Jahren sollten sich Kindern mit schöneren Dingen befassen müssen.

Und genau dieser Spagat gelingt dem Autor, wie ich finde, sehr eindrucksvoll. Sal's Geschichte ist vor allem eine "leise". Der Autor wertet nicht, er erzählt die Ereignisse aus der Perspektive eines Kindes. Man spürt sowohl die Naivität und Unschuld aus dem Erzählten, als auch den Humor und die große Liebe und Fürsorge der Geschwister füreinander. Genau diese Mischung macht das Grauenhafte, was beiden passiert ist, so greifbar und man kann verstehen, warum sich Sal zu diesem Schritt entschlossen hat. Dennoch glaube ich nicht, dass es dem Autor in erster Linie darum ging, den Mord bei einem Missbrauch zu rechtfertigen. Vielmehr geht es ihm um die Stärke geschwisterlicher Liebe, die trotz allem, was passiert ist und was sie in der Wildnis gemeinsam erleben, so stark ist.

Einen Punkt Abzug muss ich allerdings doch geben: Die Figur Ingrid, als deutsche Einsiedlerin, passt für mich nicht recht ins Bild. Ihre Lebensgeschichte ist zwar beeindruckend, doch blieb für mich am Ende die Frage, welchen Zweck sie in der Entwicklung von Sal eingenommen hat. Auch das Ende der Geschichte kam für mich recht abrupt nachdem lang und breit das Leben in der Wildnis mit richtig tollen Landschaftsbeschreibungen ausgebreitet wird.

Mein Fazit: Trotz dem kleinen Makel ist das eine richtig tolle und beeindruckende Geschichte, die vor allem durch eine vielschichtige, mutige Hauptfigur und durch die starke Beziehung der beiden Geschwister zueinander glänzt.