Keinen wirklichen Zugang gefunden...

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Sophie Winter lebt erst seit Kurzem in Klein-Roda, einem kleinen Dorf in Hessen. Jeder kennt dort jeden, aber sie lebt sehr zurückgezogen und hat kaum Kontakt zu den Bewohnern. Es stellt sich heraus, dass sie schon einmal dort gelebt hat – nämlich 1968 in einer Hippie-Kommune. Damals wurden sie und ihre beiden Mitbewohner vom Dorf schikaniert und es deutet zunächst alles darauf hin, dass sich dies fortsetzt.
Ihre Erinnerungen an den „Summer of Love“ hat Sophie in dem gleichnamigen Buch festgehalten. Im Dorf stößt sie damit jedoch nur auf Widerstand und Ablehnung, da sich die Menschen in ihren Erzählungen wieder erkennen und bloßgestellt fühlen. So scheint auch schnell klar zu sein, wer Sophies Alltag immer wieder boykottiert.
Im Laufe des Buches werden jedoch immer mehr Einzelheiten aufgedeckt, die ein ganz neues Licht auf das Geschehen werfen...

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe bis zum Ende keinen Zugang zu diesem Buch gefunden. Leider.

Am Anfang fand ich den Schreibstil noch richtig klasse. Die Grundstimmung des Buches wurde wunderbar deutlich und der Leser wird nicht einfach in die Handlung „hineingeworfen“, sondern allmählich mit den bereits bekannten Sachverhalten vertraut gemacht. So weit so gut.

Unglücklicherweise ändert sich der Stil nicht. Das Handlung treibt vor sich hin. Die Kapitelanfänge stellen jedes Mal einen Szenenwechsel dar – das ist ja an sich kein Problem, aber dadurch ist es mir nicht möglich gewesen, in die Handlung einzutauchen. Die Kapitel sind überwiegend sehr kurz. Das macht das Lesen zwar angenehm, aber die wirklich toll ausgearbeiteten Charaktere wirken nicht wirklich.

Die Beschreibung der Personen und die Einblicke ihre Gedankenwelten gelingen der Autorin wirklich hervorragend – dies war es letztlich auch, was mich das Buch zu Ende lesen ließ. Die innere Zerrissenheit Sophies und die inneren Konflikte Bremers und DeLanges erzeugen eine Tiefe, die man selten bei Romanfiguren vorfindet. Um so bedauerlicher ist es, dass dies durch bereits erwähnte Szenenwechsel meist unterbrochen wird, um erst später irgendwann fortgesetzt zu werden.

Außerdem positiv hervor zu heben ist in meinen Augen der Aufbau des Buches. Die durchaus vorhandene Spannung wird aufrecht erhalten, da sich die einzelnen Handlungsstränge mit dem Fortschreiten der Handlung immer weiter annähern. Es ergeben sich Beziehungen zwischen einzelnen Personen, die teilweise nicht zu erwarten waren. Für Überraschungsmomente ist also gesorgt.
Dazu gehört auch das für mich überraschende Ende. Den Ausgang des Buches hätte ich so nicht erwartet. Die allmähliche Herleitung der tatsächlichen Geschehnisse verhindert einen konstruiert wirkenden Abschluss der Geschichte und wertet das Buch durchaus auf.

Dennoch ist „Schrei nach Stille“ für mich insgesamt nur durchschnittlich, da die positiven Aspekt das Negative in meinen Augen nicht gänzlich wett machen können und ich eben keinen Zugang zum Buch gefunden habe.