Vergänglichkeit

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
lilstar Avatar

Von

Nachdem ich vor einiger Zeit die Leseprobe zu "Sehnsucht nach Elena" gelesen hatte, war ich zunächst einmal wenig begeistert. Es kam mir vor, wie die 08/15-Geschichte eines Stalkers. Glücklicherweise lag ich damit komplett daneben.

In "Sehnsucht nach Elena" geht es um das Leben der Studentin Elena, das sich außerhalb ihres Sichtfeldes abspielt. Außerhalb dessen, was sie bewusst wahrnimmt. Das sagt uns jedenfalls Ich-Erzähler des Buches. Aber eigentlich erzählt das Buch die Geschichte eines Mannes, der auf schmerzvolle Art seine Vergangenheit zu bewältigen versucht und als er kurz vor dem Scheitern steht ... trifft er Elena.

Der Leser liest die Geschichte aus der Sicht des Ich-Erzählers und bekommt die Information, worum es in dieser Geschichte wirklich geht, nur spärlich. Nämlich so, wie sich der Ich-Erzähler, von dem wir übrigens keinen Namen erfahren, selbst seiner eigenen Vergangenheit stellen wird. Deswegen erweckt dieses Buch zunächst auch einen falschen Eindruck beim Leser, aber das ist wohl so gewollt und macht das ganze auch noch spannender.

Generell strotzt dieses Buch nur so vor Poetik und Symbolik. Haahtela hat eine wunderschöne Geschichte über das Leben und seine Vergänglichkeit geschrieben. Über die Psyche des Menschen und seine merkwürdigen ausflüchte, wenn man mit schlimmen Situationen einfach überfordert ist und alles nicht mehr verarbeiten kann. Die Charaktere sind dabei nur zweitrangig, deswegen erfahren wir über sie auch nur gerade so viel wie nötig ist um zu begreifen, wie eine zufällige Begegnung mit einer völlig fremden Person einem das Leben retten kann.

Insgesamt ein sehr, sehr schönes Buch, welches schnell zu lesen ist, was sicherlich auch an den wirklich kurzen Kapiteln liegt. Allerdings sollte man sich schon ein wenig Zeit dafür nehmen, denn schnelle Leseeindrücke sind ebenso vergänglich wie auch alles andere im Leben.