Herzzerreißende Reise

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Wie gut das Zitat von Heimito von Doderer als Motto des Romans passt: Unsere Kindheit ist tatsächlich ein Eimer, der uns übergestülpt wird (und für den wir nichts können), dessen Inhalt wir aber nie ganz loswerden. Ich-Erzähler von „So, und jetzt kommst du“ ist der älteste Sohn der Familie, und der Roman wird ganz unsentimental, teilweise komisch, aber im weiteren Verlauf immer bedrückender und stellenweise wirklich herzzerreißend erzählt. Das Geschehen ist durch geschichtliche Ereignisse in der Mitte der 1980er Jahre verortet, und der Titel des Buches ist einer der Standardsprüche des Vaters, den man als Hochstapler, aber vielleicht doch treffender als Betrüger bezeichnen könnte. Der Leser begleitet die fünfköpfige Familie auf einer Reise von der Pfalz nach Südfrankreich, Lissabon und über Paris zurück nach Deutschland. Was als Abenteuer beginnt, wird – nachdem in der „Hochstaplerphase“ an der Côte d’Azur das Geld ausgegangen ist – als Odyssee auf der Flucht vor der Polizei immer haarsträubender, und man ist in gewisser Weise fast froh, als die Polizei im hintersten Winkel Bayerns diesem Albtraum ein Ende setzt. Das alles wird aus der Sicht des heranwachsenden Kindes geschildert, das sich zunächst mit Versprechungen, fadenscheinigen Erklärungen und Lügen zufriedengibt, aber zunehmend skeptischer wird und unter der immer katastrophaleren Situation zu leiden beginnt. Das Buch liest sich schnell und flüssig und ist in gewissem Sinne auch spannend; man will wissen, wie es weitergeht, immer in Angst vor der Katastrophe. Die kindliche Wahrnehmung des Jungen hat vor allem zu Beginn auch absurd-komische Seiten, aber im Verlauf des Buches bleibt einem das Lachen immer mehr im Hals stecken. Namensgleichheit und auch das passende Alter des Erzählers implizieren natürlich autobiographische Bezüge, man wünscht sich/ihm aber, dass alles vielleicht doch nicht ganz so schlimm war wie beschrieben...