Echt, ungeschönt und direkt

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walküre Avatar

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Vielen Dank an den dtv-Verlag und Vorablesen.de, dass sie mir ein Leseexemplar von Holly Bournes "Spinster Girls Teil 1 - Was ist schon normal?" zur Verfügung gestellt haben.
Ich habe bereits aus persönlichem Interesse viele Bücher zum Thema psychischer Erkrankungen gelesen und muss wirklich sagen, dass mich selten ein Jugendbuch zu dem Thema so überzeugt hat.
Der Titel hat mich als deutschsprachigem Leser etwas verwirrt, da ich mit dem Wort "Spinster" nicht viel anfangen konnte. Aber im Laufe der Geschichte wird es gut erklärt. Das Cover ist schön, dreifarbig und ansprechend, mit dem dunklen Hintergrund fällt es direkt ins Auge. Auch die angekündigten Cover der nachfolgenden Bände passen hervorragend zum Einstieg in die Trilogie und werden am Ende sicher ein schönes Gesamtbild im Bücherregal abgeben.
Die Geschichte ist flüssig geschrieben, in kurzweilige Kapitel unterteilt und durch kurze Statements und Gedankenfetzen interessant verpackt. Es wirkt und liest sich wie ein kurzweiliges Jugendbuch, was dennoch über 400 Seiten umfasst und am Ende deutlich dicker ist als man vermuten mag.
Auch wenn mir in der Geschichte selbst manchmal etwas der Spannungsbogen fehlt, liest es sich leicht und flüssig. Die Darstellungen der Zwangserkrankungen und allen damit verbundenen Dingen sind erstaunlich gut recherchiert und endlich mal müssen Betroffene selbst beim Lesen nicht ständig mit dem Kopf schütteln....
Störend fand ich die wichtige Bedeutung der Verabredungen und sexuellen Kontakte der Protagonisten, die ich in dem Alter als nicht derart dominant erlebt habe. Aber vielleicht ist das nur meine eigene Wahrnehmung und andere können sich weitaus besser damit identifizieren.
Ebenfalls irritierend finde ich die Tatsache, dass dieses Buch nicht der Anfang einer Trilogie über psychische Erkrankungen, sondern über Feminismus ist. Ich finde das keinesfalls schlecht, es ist ein gutes und interessantes Thema, was viel zu wenig Beachtung bisher gefunden hat. Die Autorin gibt interessante Denkanstöße und ich habe mich mehr als wahrscheinlich sonst oft mit diesem Thema auseinander gesetzt. Vielen Dank dafür!
Nur leider hatte ich dies zu Anfang nicht erwartet und hoffe mal, dass dadurch keine Leser in die Irre geführt werden und am Ende entäuscht sind. Das würde dem Buch nämlich nicht gerecht werden!