Eine tolle Geschichte, die zeigt was es heißt ein Mädchen zu sein

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meggie89 Avatar

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"Wenn Jungs älter werden nennt man sie Junggesellen und findet das sexy. Wer nennt uns schon Junggesellin? Nein, uns nennt man direkt Katzenlady oder alte Jungfer. Ein männliches Pendant dazu gibt’s nicht. Genau wie es kein Wort für Kerle gibt, die mit jeder ins Bett gehen – während es tonnenweise davon für Mädchen gibt. Die Sprache selbst ist sexistisch – sie zementiert doch nur diese total verallgemeinernden, völlig kranken Vorstellungen darüber, wie Jungs und Mädchen zu sein haben."



Spinster Girls ist eigentlich eine abwertende Bezeichnung für alte, schrullige Frauen, die sich lieber mit Katzen, als mit Männern umgeben. Grund genug für Evie, Amber und Lottie dem Wort eine neue Bedeutung zu verleihen. Sie gründen ihren Club, in dem sie über die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen sprechen und sich mit dem Bild beschäftigen, das die Gesellschaft auch heute noch von Mädchen hat.
Evie hat aber noch ein ganz anderes Problem. Sie hat ihre alten Freunde verloren, nachdem sie die meiste Zeit ihrer Highschool Jahre in einer Anstalt verbracht hat. Es fing alles ganz harmlos an. Sie hat sich die Hände gewaschen und nochmal gewaschen und dann nochmal. Dann hat sie sich geweigert zu Essen, so lange bis ihre Mutter ihr das Essen durch einen Trichter zwangseinführen wollte. Das war der Moment, an dem auch Evies Eltern erkennen mussten, dass ihre Tochter nicht nur Panikattacken, sondern auch eine Zwangsstörung hatte.

Inzwischen geht es Evie besser und sie will eigentlich nichts anderes, als ihr Leben leben und einen Freund haben, so wie alle anderen auch, denn das ist doch normal oder nicht? Und auf gar keinen Fall darf irgendjemand auf dem College erfahren, dass sie eine Irre ist, denn das ist sie doch, oder etwa nicht?

Meine Meinung

Um dieses Buch kommt man im Augenblick ja kaum herum. Im Instagram sieht man das Cover übrall und einige andere Blogger, deren Beiträge ich sehr gern lese, haben es ebenfalls gelesen. Das hat mich neugierig gemacht. Meist schrecken mich Hypes eher ab, aber in diesem Fall wollte ich wissen, was es mit den Spinster Girls auf sich hat. Enttäuscht wurde ich in jedem Fall nicht und ich freue mich schon auf die Fortsetzung der Reihe.

Das Cover fällt auf jeden Fall zwischen den anderen Jugendbüchern direkt auf. Allein die Farben stechen schon hervor und ich mag einfach die Idee Teile des Gesichts zu verwenden. Das ist mal etwas anderes und hat mich zumindest direkt neugierig gemacht, worum es in dem Buch geht.

Besonders die Charaktere der Geschichte haben mich beeindruckt und wirken auch nach dem Lesen noch nach. Dafür hatte ich einige Probleme mit der Sprache und dem Schreibstil im allgemeinen. Ich bin mir nicht sicher, ob es an der Übersetzung ins Deutsche liegt oder ob es auch im Original so ist und entsprechend von der Autorin gewollt ist.

Die Charaktere sind mir vor allem deshalb so sympathisch, weil sie so realistisch sind. Sie nehmen sich vor nicht über Jungs zu reden, aber das ist nun einmal ein wichtiges Thema in ihrem Alter und immer wieder ertappen sie sich dabei, wie sie bei ihren Treffen doch über Jungs reden. Die ganze Sache mit der Liebe nimmt dabei aber nicht den hauptsächlichen Schwerpunkt der Geschichte ein. Natürlich geht es in einem Jugendbuch auch irgendwie um erste Beziehungen und Erfahrungen, aber eben auch um deutlich mehr als das. Die drei Mädchen haben eigenständige Entwicklungen, die unabhängig von der Liebe sind. Es geht viel mehr um das Zusammenwachsen der drei zu wirklichen Freundinnen. Ich habe in den Treffen tatsächlich mich und meine beiden besten Freundinnen erkannt. Wir reden eigentlich immer über die Arbeit und echauffieren uns dann über den Ärger, den die eine von uns bei sich gerade hat, obwohl es natürlich besser wäre uns mit anderen Dingen abzulenken. Da musste ich sofort dran denken, als ich Evie, Lottie und Amber so vor Augen hatte.

Neben der Freundschaft, ist natürlich Evies Zwangsstörung und die Panikattacken ein zentraler Handlungsstrang des Buches. Es ist nicht das erste Buch, in dem ich mit Zwangsstörungen in Kontakt komme. Auch John Green hat in Schlaft gut ihr fiesen Gedanken ähnliches beschrieben, allerdings auf ganz andere Art und Weise. Ich selbst habe keine solche Störung, aber ich habe unter den Anfängen von Panikattacken gelitten und ich kann mich deshalb zumindest ein bisschen in Evie hineinversetzen. Holly Bourne hat sehr gut recherchiert und stellt diese Krankheit – die leider immer noch viel zu wenig als solche wahrgenommen wird – wirklich von ihrer zerstörerischen Seite dar. Das hat mich berührt, aber auch dafür geschult Menschen mit solchen Problemen in einem anderen Licht zu sehen. Meiner Meinung nach, sollte es viel mehr solcher Bücher geben, in denen solche Themen vorsichtig, aber ungeschönt, thematisiert werden.

Das einzige, was es mir wirklich schwer gemacht hat, war in diesem Buch der Schreibstil. Es passt alles zu Evie, aber sie nutzt unglaublich viele Nominalisierungen, die sich im Deutschen schrecklich gestelzt anhören. Da frage ich mich wirklich, ob es das ist, was Evie ausmachen soll oder ob es sprachlich im Englischen viel besser gelöst ist. Auch ihre Sprünge in die Vergangenheit haben mich manchmal etwas aus dem Lesfluss gerissen, aber man gewöhnt sich nach den ersten fünfzig Seiten definitiv daran und dann wollte ich die Geschichte unbedingt bis zu Ende lesen und bin jetzt schon gespannt wie es den Spinster-Girls ergehen wird, nun wo alle von Evies Krankheit wissen.

Fazit

Der Hype um dieses Buch ist absolut gerechtfertigt. Was ist schon normal? ist eine wundervolle Geschichte über Freundschaft und darüber, wie wichtig Freunde sind, um Krankheiten und andere Tiefen im Leben überwinden zu können. Evies Geschichte zeigt, wie schwer es ist mit einer Zwangsstörung zu leben und wie wichtig es ist, dass man solchen Menschen Verständnis entgegenbringt und sie nicht in dem Glauben lässt irre zu sein. Ich finde dieses Buch ist ein Must-Read und es gehört definitiv zu den besten, die ich in diesem Jahr gelesen habe!

Aussehen: ♥♥♥
Spannung: ♥♥♥♥
Schlüssigkeit: ♥♥♥♥♥
Emotionale Tiefe: ♥♥♥
Schreibstil: ♥♥♥♥♥
Insgesamt: ♥♥♥♥