Jugendbuch mit etwas bitterem Beigeschmack

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curin Avatar

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Für ihre Zeit am College hat sich Evie viel vorgenommen. Sie möchte einfach ganz normal sein und vor allem verhindern, dass jemand etwas von ihrer Krankheit mitbekommt. Als sie endlich ein Date hat und in Amber und Lottie zwei tolle Freundinnen findet, mit denen sie den ,,Spinster Club" gründet, scheint ihr Plan aufzugehen... .
Holly Bourne hat hier einen Jugendroman mit starken Mädchen geschrieben, die sich bewusst dafür entscheiden, zusammenzuhalten und Geschlechterklischees kritisch unter die Lupe zu nehmen. Zusätzlich werden auch psychische Krankheiten und Stigmatisierungen, die damit einhergehen, thematisiert.
Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Evie, die an einer Zwangserkrankung und einer Angststörung leidet und in ihrem Genesungstagebuch festhält, was sie auf dem College erreichen will. Ihre Sorgen und ihre Gedanken konnte ich sehr gut nachvollziehen und auch verstehen, warum es ihr so schwer fällt, ihren neuen Freundinnen auch von ihrer Krankheit zu erzählen. Evie ist auf jeden Fall eine außergewöhnliche Protagonistin, die nicht auf den Mund gefallen ist und in bestimmten Situationen eine tolle Reaktion zeigt, die man ihr Anfangs gar nicht zutraut.
Generell wird im Buch sehr anschaulich gezeigt, wie der Alltag mit Schule, Freunden und Partys heute bei vielen Jugendlichen aussieht. Man sieht, dass es noch immer wahnsinnig wichtig ist, möglichst dazuzugehören.
Gut hat mir gefallen, dass die drei Mädels sich gegen gesellschaftliche Rollenbilder stellen wollen und den Jungs klar machen, dass sie nicht so leicht zu haben sind. Leider rutschen sie dabei manchmal in einen ziemlich radikalen Feminismus ab, so mein Eindruck.
Vom Schreibstil her ist es der Autorin Holly Bourne wirklich gut gelungen, ihren Text so klingen zu lassen, als hätte ein 16-jähriges Mädchen alles verfasst. Die einzelnen Situationen konnte ich mir sehr gut vorstellen, weil alles bildlich beschrieben wird.
Insgesamt ist ,,Spinster Girls" ein guter Auftakt zu einer Buchreihe, der leider bei mir einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.