Ein Blog als Buch - funktioniert das?

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sabine008 Avatar

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Kann man aus einem Blog ein Buch machen? war eine der ersten Fragen, die ich mir gestellt habe, als ich dieses Buch gesehen habe. Blogs lese ich nämlich normalerweise nicht, denn weshalb sollte man sich für die persönlichen Gedanken einer fremden Person interessieren? Das ist mir dann doch etwas zu voyeuristisch. Die Grundidee zu O’Reillys Buch gefiel mir aber und schon die ersten Kapitel überzeugten mich durch einen gelungenen Humor und ein wenig wohldosierten Zynismus. Stadt, Land Schluss versprach zu einem kurzweiligen und auf seichte Art unterhaltenden Buch zu werden.
Judith O’Reilly erzählt hierin, wie sie von ihrem Mann überredet wurde, aus London weg und aufs Land zu ziehen, womit sie gar nicht einverstanden ist. Wenn Judith etwas mit dem Norden Englands verbindet, dann doch eher diverse Horrorvisionen, als ein beschauliches Familienleben. Aus Liebe zu ihrem Mann zieht sie dennoch mit, setzt sich jedoch ein Ultimatum: Wenn sie sich in zwei Jahren nicht eingelebt haben sollte, geht es zurück nach London.
In vielen, kurzen Kapiteln erzählt die Autorin nun, wie sie versucht, sich mit ihrem neuen Heim zu arrangieren und wie schwer ihr dies teilweise fällt. Man erfährt von den alltäglichsten Ereignissen in O’Reillys Leben, ihrer Unzufriedenheit mit ihrem Mann und den eigenen Fehlern, die sie begeht. Manchmal klingt sie dabei jedoch sehr wehleidig, was beim Lesen unweigerlich stört, denn wer möchte schon über 10 Seiten miterleben müssen, wie jemand über sein Leben jammert?
Auch Probleme wie das ewige Schlüsselverlieren O’Reillys und Mit-ungetanktem-auto-losfahren-und-hinterher-dem-mann-die-schuld-geben neigen eher dazu, den Leser zu nerven oder zumindest Unverständnis hervorzurufen, wenn es schon zum fünften Mal passiert....
Dennoch lässt O’Reilly immer wieder ausreichend Humor in ihre Berichte einfließen und schreibt auf eine wirklich nette, gut lesbare Art. Ihre Beschreibungen des Landlebens sind zudem nicht immer ganz uninteressant und nicht zu lang.
Letztendlich kann man dieses Buch als durchwachsen bezeichnen: Wirklich unterhaltsamer Humor und bitterböse Szenen wechseln sich mit Selbstmitleid und teilweise ziemlicher Trivialität ab, weshalb ich mich durch ein paar Kapitel durchbeißen musste.
Wer jedoch eine leichte Strandlektüre mit kurzen Kapitel und nicht zuviel Anspruch sucht, für den ist dieses Buch möglicherweise genau das richtige und weiß mit einigen, humoristischen Szenen gut zu unterhalten.