Ganz süße Idee

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bleach03 Avatar

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Vor dem Lesen sollte man sich unbedingt bewusst machen, dass "Sternschnuppengeflüster" an eine Leserschaft ab 11 Jahren adressiert ist. Dementsprechend gestalten sich auch die Konflikte, der Ton und die Charaktere.
Die Probleme, mit denen sich Paula, Leni und Amelie herumschlagen, sind allerdings für jeden nachvollziehbar: Angst vor der Scheidung der Eltern, Liebeskummer, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder der Verwirklichung seiner Träume. Fast jeder hatte wohl an dem ein oder anderen Punkt in seinem Leben, an dem er ähnlich empfunden hat. Es sind einfach Themen, die in jeder Generation und für jedes Geschlecht eine Rolle spielen, wodurch sie auch für mich relevant waren.
Dennoch fiel es mir sehr schwer, mich mit Leni, Amelie und Paula als Personen zu identifizieren. Das mag zum Teil damit zu tun haben, dass ich mich inzwischen allgemein schlecht in Mädchen in diesem Alter hineinversetzen kann, zum Teil an ihren individuellen Persönlichkeiten. Speziell Leni hatte Momente, in denen ich ihr am liebsten eine Kopfnuss verpasst hätte. Sie ist sehr unsicher und übermäßig selbstkritisch, zwei Charakterzüge, die ich beim Lesen eher als anstrengend empfinde (obwohl - oder gerade weil - ich früher selbst nicht anders war). Wie gesagt: Ich verstehe sie vollkommen. Aber auf Dauer zehrt es an meinen Nerven, wenn sich jemand selbst runterputzt und neidisch auf andere ist. Paula und Amelie strotzen im Vergleich zu ihr nahezu vor Selbstvertrauen, was eine willkommene Abwechslung war. Ich hätte mir bei ihnen eine etwas facettenreichere Darstellung gewünscht (auch wenn ich nicht behaupten würde, dass sie vollkommen flach wären). Ich bin mir nicht sicher, ob es nur mein subjektiver Eindruck ist, aber mir kam es so vor, dass der Fokus mehr auf Leni lag und die anderen beiden dadurch etwas vernachlässigt wurden.
Den Inhalt an sich fand ich soweit gut. Das Thema "Wunscherfüllung" ist zwar im Storytelling nicht neu, aber den Einfall, dass dies eine App übernimmt, fand ich toll und es war auch der Anreiz für mich, dieses Buch zu lesen. Es passt einfach wunderbar ins digitale Zeitalter und vermittelt dadurch ein modernes, frisches Feeling. Was mir in dem Zusammenhang gefehlt hat, war eine Reflektion der Mechanik, die hinter der App steht. Möglicherweise spricht da die erwachsene Leserin aus mir, aber ich bin der Meinung, ein kritischer(er) Umgang mit der Technik hätte hier eine interessante Facette hinzugefügt.
Der Handlungsverlauf bietet ein paar Aufs und Abs, sodass der Weg zur Wunscherfüllung kein Spaziergang ist, ohne übermäßig (gekünsteltelt) dramatisch zu werden. Ich mochte die Richtung, die die Geschichte eingeschlagen hat, und habe besonders Lenis Charakterentwicklung sehr begrüßt. Die Botschaft ist ausgesprochen positiv, was angesichts der jungen Zielgruppe auch Sinn macht. Schließlich will man sie nicht demoralisieren, sondern ihnen die Zuversicht geben, dass alles möglich ist, und ihnen ihre Zukunftsängste nehmen. Letzten Endes vermittelt einem der Roman, dass Freunde jede noch so schwierige Lebensphase besser machen. Wie könnte ich da widersprechen?
Eine Schlussbemerkung zur Narration allgemein: Sofia Cramer hat die drei Einzelperspektiven süß und überwiegend heiter erzählt. Selbst in den Momenten, in denen Amelie, Lenie und Paula gerade eine heikle Phase durchmachen, geht das Schwungvolle nicht gänzlich verloren. Dadurch ließ sich die Geschichte um die drei Mädchen ausgesprochen flüssig lesen.

Mein Fazit

Die Plotidee ist ausgesprochen reizvoll und die angesprochenenen Themen bieten genug Projektionsfläche für jedermann. Mich persönlich konnten die drei Protagonistinnen nicht vollständig überzeugen, was teilweise dem Altersabstand geschuldet sein mag. Auch eine kritischere Betrachtung der App wäre für mich wünschenswert gewesen. Letztlich ist "Sternschnuppengeflüster" aber ein gelungenes Gute-Laune-Wohlfühl-Buch für die jüngeren Generationen. Ich bin mir sicher, dass viele Mädchen da draußen sich mit Leni, Paula und Amelie identifizieren können.