Historie, Liebe & Spannung (Tochter des Drachenbaums)

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Romy, Mitarbeiterin in einem Pharma-Labor, ist zu einer Free-Climbing-Tour aufgebrochen. Normalerweise begleitet sie ihre Freundin Thea, diese liegt aber mit einer schweren Krankheit im Krankenhaus. Nach einer Panikattacke verliert Romy den Halt an der Felswand und stürzt hinunter. Sie hat sehr viel Glück und es passiert ihr nichts, vorsichtshalber lässt sie sich aber in der Klinik untersuchen. Während ihrer Bewusstlosigkeit am Berg hatte sie einen seltsamen Traum. Sie träumte von einem alten Volk und von einer Beschwörung, einer alten Frau, dem Medium, und ihrer Schülerin Iriomé. So einen eindringlichen Traum hatte sie noch nie. Als sie ihre Freundin Thea aus dem Krankenhaus abholt, da diese nicht mehr an einem Test eines umstrittenen Medikamentes teilnehmen wird, fahren sie an einem Reisebüro vorbei, welches Werbung für die Kanaren im Schaufenster hat. Der Baum auf dem Bild ist der gleiche Baum wie in ihrem Traum und sie wird fast schon magisch davon angezogen. Eigentlich weiss sie gar nicht warum, aber kurz danach bucht sie für Thea und für sich einen Urlaub auf der Kanareninsel La Palma. Auf La Pama lernen sie Ricardo kennen, einen jungen Canario, der sie zu verfolgen scheint. In der Caldera, versteckt in einer Grabhöhle wachsend, entdeckt Romy einen Pilz, der Krankheiten zu heilen vermag. Nachdem sie das Leben ihrer Freundin Thea mit diesem Pilz retten kann, träumt sie davon, diesen Pilz der Menschheit zur Verfügung zu stellen. Zurück in Deutschland weiht sie ihr nahestehende Personen in das Geheimnis ein und muss feststellen, das dieses Geheimnis selbst für ihre besten Freunde zu gross und im Endeffekt tödlich ist. Schon bald ist ihr ein grosses Pharma-Unternehmen auf den Fersen und sie schwebt in Lebensgefahr. Schnell wird ihr klar, das die Welt nicht bereit ist, für ein Geschenk in diesem Ausmass und sie weiss nicht, wem sie noch vertrauen kann. Gleichzeitig erlebt Romy immer wieder Rückführungen in ihre eigene Vergangenheit. Zunächst glaubt sie an Halluzinationen, aber dann versteht sie, das ihre Vorfahrin eine Heilerin der Guanchen, der Ureinwohner der Kanaren, war. In ihren Träumen sieht sie zurück auf das Leben Iriomés und verrsteht, das alles zusammengehört, das sie die Behüterin des Pilzes Amakuna ist.
Iriomé, durch den Tod der Harimaguada, in ihren Stand erhoben, hat schwere Entscheidungen zu treffen. Eisenmenschen landen auf der Insel, die Spanier haben mit der Eroberung begonnen. Iriomé rettet einen der Eroberer vor dem Tod und verliebt sich in ihn. Sie vertraut ihm und bittet auch ihr Volk, ihm zu vertrauen. Sie folgen ihr und finden den Tod oder werden als Sklaven verkauft. Iriomé selbst reist als Begleiterin ihrer vermeintlichen Liebe nach Spanien, wo sie fortan verfolgt wird. Die einen jagen sie wegen ihres Wissens der Heilung, die anderen, da sie sie als Hexe bezeichnen. Sie findet Freunde, die ihr helfen und diese Hilfe meist mit dem Leben bezahlen müssen. Ihre Liebe zu dem Eroberer Joaquin bleibt nicht ohne Folgen. Sie bekommt ein Kind, einen Sohn. Joaquin, der ihr zunächst zur Seite stehen will, hat nicht genug Eigenständigkeit und Kraft, er geht den Weg des geringsten Widerstandes und heiratet eine Frau seines Standes. Iriomé, verraten und verfolgt, versucht mit allen Mitteln, zusammen mit ihrem Sohn zurück nach Benahoare, ihrer Insel, zu kommen.
Mein Fazit: Ich lebe selber seit Jahren auf den Kanaren und die Geschichte der Guanchen, der Ureinwohner, hat mich schon immer fasziniert. Zwar lebe ich auf Teneriffa und habe mich dementsprechend mehr mit den Guanchen dieser Insel beschäftigt, aber die Eroberung durch die Konquistadores bleibt die Gleiche. Hier liegt das Buch dicht bei der Geschichte, es treten seinerzeit lebende Personen auf und es wird sich fast vollständig an die Vergangenheit gehalten. Das begeistert mich, mich persönlich stört es sehr, wenn ich die damaligen Begebenheiten kenne und diese dann zu sehr verdreht werden. Dies ist hier nicht der Fall, die vorgenommenen Anpassungen an das Buch, wie der Tod Lugos, des Eroberers der Kanaren, empfinde ich als für die Story notwendig und nicht störend. Man merkt, das die Autorin die Kanaren und seine Bewohner gut kennt und - wie ich - liebt. Die Eigenschaften der Canarios, die Klimaverhältnisse der Insel und das Leben vor Ort sind richtig und gut dargestellt. So sind sie halt, die Canarios.
Die Geschichte selbst ist natürlich utopisch, aber es kommt einem gar nicht so vor. Selbst Tanausú, als Krieger der Zeiten und Behüter des Pilzes, kommt nicht überzogen und unrealistisch rüber. Die Umschnitte zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind fein angebracht, beide Zeiten sind spannend und gut lesbar und was ich erwähnenswert finde, ich musste nach einem Zeitenwechsel nie zurückblättern, weil ich irgendeine Sache oder einen Namen vergessen hatte. Und wenn man wirklich mal einen Namen nicht mehr zuordnen kann, gibt es hinten im Buch eine Auflistung der wichtigsten Persönlichkeiten. Sehr gut. Das Buch ist spannend und emotional. Man ist in der Geschichte und nicht nur nebenbei, man fühlt mit und man bedauert es, wenn man die letzte Seite gelesen hat und die Geschichte (vorerst) endet. Last but not least gefällt mir der Einband des Buches sehr gut und mit dem alleinstehenden Torbogen innovativ.
Insgesamt für mich eines der besten Bücher der letzten Zeit, 5 Sterne. Muchas gracias.