Viel Spannung mit leichten Schwächen in der B-Note

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stephi Avatar

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In Göttingen geht ein Serienmörder um. Die Ermittler um Markus Lorenz stehen vor einem Rätsel. Die Abstände zwischen den Morden sind recht groß und das Vorgehen des Täters scheint keinem bestimmten Muster zu folgen - ebenso wenig wie die Auswahl der Opfer.

Erst mit Hilfe des Sonderermittlers Christian Beyers und der Psychologin Anna Maybach gelingt es schließlich, die vorhandenen Spuren zu deuten und den Mörder einzukreisen. Natürlich bietet das Ende noch einmal einiges an Aufregung und Spannung.

Obwohl während der Ermittlungsarbeit immer wieder deutlich wird, wie die Erkenntnisse der Polizei gewertet bzw. gewichtet werden können (genauere Ausführungen spare ich mir an dieser Stelle zugunsten derer, die das Buch noch lesen möchten), haben mich die Beschreibungen von Beginn an in ihren Bann gezogen. Vielleicht lag es am Gegensatz zwischen dem körperlichen Wrack Markus Lorenz und dem smarten Sonderermittler Christian Beyer, vielleicht war es auch der sehr angenehme Schreibstil Marina Heibs - Tatsache ist, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte.

Die Auflösung des Falls war für mich unerwartet, konnte mich aber auch nicht zu 100% überzeugen, da sie zumindest leicht konstruiert ist. Zu viele Faktoren haben zu gut gepasst. Aber dies sei dahingestellt. Der Unterhaltungsfaktor wurde dadurch nicht beeinträchtigt.

Der bereits erwähnte Gegensatz zwischen Ermittlungsarbeit und dem völlig desolaten Zustand des Privatlebens Lorenz’ ist zwar grundsätzlich interessant und schafft ein angenehmes Gleichgewicht zwischen beiden Ebenen, aber der Einfluss des Privaten auf den Beruf erscheint mir doch als sehr unglaubwürdig. Lorenz taucht sternhagelvoll an Tatorten und im Präsidium auf und es passiert nichts. Man schweigt seine Sucht tot, beachtet sie nicht, sieht dabei zu, wie er sich zu Grunde richtet. Es ist offensichtlich, dass hier jeglicher Realitätsbezug fehl - es ist halt ein Roman und kein Wirklichkeitsbericht.

Ein Negativpunkt für mich war teilweise der Umgang der Ermittler miteinander. Wenn in Gesprächen über Ereignisse gesprochen wurde, bekamen einzelne Personen gelegentlich ziemlich derbe Formulierungen in den Mund gelegt, die zum Teil respektlos gegenüber lebenden und toten Menschen waren. Natürlich erscheint es mir logisch, dass Polizisten untereinander vielleicht etwas direkter und ungehobelter in ihrer Ausdrucksweise sind, dennoch hat die Autorin hier in meinen Augen zu dick aufgetragen. Vermutlich ist es aber auch einfach Geschmackssache.

Außerdem ist dieses Buch ein wunderbares Beispiel für schlechte Klappentexte. Es werden in diesen wenigen Zeilen Fakten verraten, die dem Leser eigentlich erst nach der Hälfte des Buches offenbart werden. Alle, die das Buch also noch lesen wollen, sollten also vielleicht auf das Lesen dieses Textes verzichten.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten, bot viel Spannung und interessante Hintergründe.