Totenzimmer

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
readit Avatar

Von

Eine Frau liegt mit massiven (Schnitt-) Verletzungen im Krankenhaus, wartet auf die Polizei überlegt, was sie den Beamten erzählen soll - ein sehr interessanter Auftakt für einen Thriller! Maria Krause ist Rechtsmedizinerin in der dänischen Provinzstadt Odense und sagt von sich selber, dass sie nicht alle Tassen im Schrank hat. Dahinter steckt ein Trauma aus ihrer Vergangenheit: Maria ist einmal vergewaltigt worden, was ihr durchaus gefallen hat, lebte sie doch in einer unglücklichen Ehe. Aus dieser Vergewaltigung ist ein Kind entstanden, das sie abgetrieben hat. Die Abtreibung lief schief, Maria ist unfruchtbar geworden und trauert dem verlorenen Kind hinterher, sie bildet sich ein, es lebe und hat ihm einen Namen gegeben: Emilie. Der Schock ist groß, als Maria zu einer Mädchenleiche gerufen wird und der Name des Kindes auch zufällig Emilie ist. Nun ist ihre Tochter das zweite Mal gestorben, und Maria ist fast arbeitsunfähig. Dass sie fast keine Freunde hat und von ihren Kolleginnen gemobbt wird macht ihre Situation auch nicht einfacher.
Maria entdeckt bei Emilies Obduktion merkwürdige Flecken auf dem Hals der Toten, die mit Hilfe einer Chemikerin als Überbleibsel eines Medikamentes gegen Lepra analysiert werden. Das ist zwar ein Anhaltspunkt, doch es gibt in Dänemark schon seit langen Zeiten keinen Leprafall mehr, woher also die Medikamentenspuren? Parallelen zu einem weiteren, früheren Fall tun sich auf, ein anderes Mädchen wird ermordet, und mittendrin immer Maria, die versucht den Fall selbst zu lösen und dabei den Mörder auf sich aufmerksam macht. Dadurch gerät sie in Lebensgefahr.

In einer Art Parallelhandlung lesen wir die Tagebucheinträge des Mörders, die perfiderweise alle mit "Liebes Tagebuch" beginnen - Zeugnisse eines hochgradig gestörten, sehr intelligenten Jungen und später Mannes. Die Auflösung des Falles ist dann spektakulär. Das Buch endet mit der Szene, in der Maria im Krankenhaus liegt und auf die Polizei wartet - der Kreis schließt sich.

Das Buch ist anders als andere Thriller: streckenweise hart, eine sehr sperrige Hauptperson (man denke nur an ihre sexuellen Vorlieben, die aus dieser Vergewaltigung resultieren) an der Grenze zur psychischen Erkrankung. Auch dauert es einige Zeit, bis die Handlung spannend wird (dann allerdings wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen). Den Titel finde ich etwas unglücklich gewählt, dafür ist der Schutzumschlag sehr gelungen, ein wirklicher Eyecatcher. Alles in allem ein fesselnder Thriller, wenn man sich in die etwas andere "Heldin" eindenken kann.