Man hatte das Beste gewollt und Unheil und Verderben gebracht

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a.schmalzbauer Avatar

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Daniel wird nachts in einem dunklen, leeren Rohbau erschossen. War er ein Dealer und hat sich Ärger aus dem Drogenmilieu eingehandelt? Oder steht der Mord in Verbindung mit dem Selbstmord von Isa? Isa gehörte zu Daniels Clique und hat sich vor einigen Wochen das Leben genommen. Ein Zusammenhang zwischen den Fällen scheint unwahrscheinlich und das Team um Tino Dühnfort verfolgt verschiedene Spuren, doch keine scheint zum Täter zu führen. Tino gibt nicht auf und was er zutage fördert ist mehr als erschütternd.
Neben diesem Fall muss sich Dühnfort auch mit der neuen Kollegin, Kirsten, befassen, mit der er und Alois nicht so recht warm werden.

Inge Löhnigs neuer Dühnfort wurde von vielen Lesern sehnsüchtig erwartet, so auch von mir. Privat hat sich einiges getan bei Tino und Gina. Im Team gibt es eine Neue, Kirsten, die allerdings so ganz anders ist als Gina, deren Stelle sie eingenommen hat. Kirsten ist eher kühl und distanziert, aber eine gute Polizistin. Sie hatte privat einiges zu verkraften und ist wohl deshalb so abweisend. Allerdings ist Dühnfort wieder der einzige, der von nichts weiß. Das Privatleben von Alois wird auch erschüttert und er erfährt zum ersten Mal, was richtige Angst ist.

Der Fall den Tino und sein Team bearbeiten hat viel mit dem reellen Leben zu tun. Es geht um falsche Freunde, die sich auf facebook tummeln und Jugendlichen das Leben zur Hölle machen können. Virtuelle Freunde, von denen sich jeder seine Fassade selbst zusammen basteln kann. Mobbing im Internet scheint bei Schülern weit verbreitet. Doch auch die Eltern tragen ihren Teil dazu bei. In der heutigen Leistungsgesellschaft werden Kinder oft vom kranken Ehrgeiz der Eltern angetrieben, sie halten dem Druck nicht mehr Stand, wollen ausbrechen. Doch dem Diktat der Eltern zu entkommen ist für viele unmöglich. Wichtig ist die „gute Gesellschaft“, die jedem der anders ist, unangepasst, mit Argwohn und Misstrauen begegnet.
Inge Löhnig führt uns vor Augen, was passieren kann, wenn diese Faktoren zusammen treffen. Und was sie beschreibt ist nicht weit hergeholt, nicht nur Fiktion.

Die Autorin hat uns einen Krimi serviert, der nicht leicht zu verdauen ist. Mit viel Bezug zur Realität und dem, was wir tagtäglich in unserer Gesellschaft erleben. Doch es wäre nicht Inge Löhnig, wenn sie die schwere Kost nicht so verpackt hätte, dass die Freude am Lesen nicht zu kurz kommt. So hat der Krimi mich hervorragend unterhalten, mich aber auch zum nachdenken angeregt. Und dazu, vermehrt ein kritisches Auge zu haben, auf die sozialen Netzwerke und wie die Menschen miteinander umgehen.
Inge Löhnig spricht mir in vielen Dingen aus dem Herzen.

Ein sehr empfehlenswerter Krimi, Inge Löhnig wird immer besser. Da können wir uns noch auf einiges gefasst machen.
Und nun beginnt es wieder...das Warten auf den nächsten Fall.

Leider kommt die Ironie mit der „Triologie“ nicht richtig rüber, da die Mutter es im Text richtig sagt. Ansonsten konnte ich nur einen kleinen Fehler entdecken ;-)