Dühnfort, der Mord und der Selbstmord

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christina1981 Avatar

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Inhalt:
Daniel Ohlsberg, ein junger Mann, wird erschossen auf einer Baustelle gefunden. In seinen Taschen befindet sich Geld und Drogen und bei seiner Vergangenheit, gehen die Ermittlungen gleich in die Richtung Drogenkriminalität. Doch Komissar Dühnfort, der gemeinsam mit Alois und seiner neuen Mitarbeiterin Kristen, ermittelt, kann das nicht so recht glauben. Er ermittelt im Umfeld von Daniel und stößt schnell auf Mika, Daniels Ex-Freundin. Diese nimmt den Tod von Daniel sehr mit, vor allem, da erst vor Kurzem ihre beste Freundin Isa Selbstmord begangen hat. Doch Dühnfort kommt ins grübeln. Es ist schon komisch, dass in so kurzer Zeit zwei Todesfälle im Freundeskreis um Isa, ihren Bruder Philip und Daniel passieren. Dühnfort ermittelt nun nicht mehr nur in Daniels Ermordung, sondern knöpft sich auch Isas Selbstmord vor, in den sie durch den Facebook-Bekannten Sascha getrieben wurde. Wer ist Sascha und kann er auch etwas mit Daniels Tod zu tun haben? Dühnfort wühlt sich tiefer und vermisst nicht nur schmerzlich seine Gina bei den Ermittlungen, sondern muss sich auch noch mit seiner neuen spröden und unnahbaren Kollegin Kristen abgeben und einen wegen privater Problem ständig fehlenden Alois.

Bewertung:
Das Cover finde ich diesmal noch mehr gelungen als sonst. Ich finde es irgendwie zugleich heimelig und doch auch bedrohlich. Wirklich gut getroffen. Leider lässt sich hier keine Verbindung zum Thema des Krimis finden - außer vielleicht, dass dieser im Hochsommer spielt.
Inge Löhnigs Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und spannend. Ihr gelingt es einfach – trotz vieler unterschiedlicher Sichtweisen von neuen (und alten) Charakteren – übersichtlich und klar zu erzählen, Spannung aufzubauen und Atmosphäre zu schaffen. Die Perspektivwechsel - Ermittler, Täter, Opfer, Zeugen, etc. - erlauben einen vielseitigen Blick in den Fall und geben dem Leser einen tieferen Einblick als den Ermittlern. In den vorigen Fällen fand ich das immer gut und auch hier gefällt es mir, doch muss ich zugeben, dass dieser Stil es mir erlaubt hat, früher als Dühnfort den Täter zu erkennen.
Natürlich begegnet man den beiden Protagonisten Tino und Gina wieder, doch wird dieses Band ganz neu starten: Gina hat die Abteilung gewechselt und arbeitet nun nicht mehr mit Tino zusammen. Gina ist nun in einer Abteilung, welche Altfälle neu aufrollt. Durch Jussi Adler-Olsen weiß man ja, dass das durchaus ein spannendes Thema ist, doch das Team Gina / Tino ist jetzt getrennt. Zwar berichten beide abends dem anderen von ihren jeweiligen Fällen, doch Ginas Erlebnisse bleiben das auch - eine Nacherzählung. Der Fokus liegt auf Dühnfort und Gina kommt recht wenig vor. Dafür hat Dühnfort sich jetzt mit seiner neuen Kollegin Kristen rumzuschlagen - diese ist zwar sehr kompetent und auch gewillt nachzuhaken, Kritik auszusprechen und Fehler einzusehen, doch so richtig warm mit ihr wird Dühnfort nicht. Vielleicht ändert sich das ja nach dem gemütlichen Grillabend, der am Ende des Krimis noch angedeutet wird. Alois hingegen hat private Probleme - sein Sohn ist krank und muss ins Krankenhaus. Er und Evi halten abwechselnd Wache, doch das wirkt sich natürlich auf seine Arbeit bei der Kripo aus. Die privaten Verwicklungen des Ermittlerteams bleiben also bestehen und 'peppen' die Ermittlung auf.
Die Krimihandlung ist durchweg gut durchdacht und spannend. Hier ergeben sich Verwicklungen, die durch den 'einfachen' Mord am Anfang nicht vorherzusehen waren, doch die Perspektivwechsel, vor allem aus Mikas Sicht, verraten natürlich, dass der Selbstmord Isas und der Mord an Daniel einen Zusammenhang haben. Frau Löhnig gelingt es allerdings einige falsche Fährten einzubauen und so die Spannung doch aufrecht zu erhalten. Sehr gut fand ich hierbei auch die Darstellung von Isas Familie, wie sie versucht mit dem Verlust fertig zu werden. Wie so oft ist Dühnfort nicht immer mit dem allgemeinen Ermittlungsweg einverstanden - auch wenn natürlich in alle Richtungen ermittelt werden muss - und kocht sein eigenes Süppchen. Hier liegt er damit richtig und beweist kriminalistischen Spürsinn. Doch stellt sich heraus, dass auch die Ermittlungen von Kirsten, Alois und dem Rest einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung beitragen und Dühnfort nicht als alleiniger Superheld dasteht. Das finde ich sehr wichtig, da m. E. eine Ermittlung nur Teamarbeit sein kann und nicht allein gelöst werden kann. Wie schon kurz erwähnt, habe ich den Täter vor Dühnfort entlarvt, was mir zum Schluss hin etwas an Spannung genommen hat, doch dadurch dass einem die Charaktere schon ans Herz gewachsen sind, hatte ich dennoch viel Spaß beim Lesen und ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen.

Fazit: Wieder mal ein wirklich gelungener Krimi von Inge Löhnig um Dühnfort und sein Team. Flüssig zu lesen und mit viel Freude beim Wiedertreffen von Tino, Gina und Alois. Auch der Fall war gut konstruiert, spannend und einfallsreich. Leider habe ich diesmal einige kleine Kritikpunkte: schade finde ich, dass Gina im Moment nur noch eine Randfigur spielt, jedoch hoffe ich, dass sich das im nächsten Band ändert, da es am Ende noch spannende Neuigkeiten gibt. Leider konnte Kirsten mich auch noch nicht als Neuzugang im Team überzeugen. Ein wenig Spannung ging mir leider verloren, als ich den Täter noch vor Dühnfort erraten habe, doch zum Glück konnte das ausgeglichen werden. Alles in allem hat es mir viel Spaß gemacht, diesen Krimi zu lesen, doch einen kleinen Abzug muss ich wegen o. g. Punkte geben, deshalb diesmal von mir 4 von 5 Sternen.