Noch mal ins volle Leben

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
58hmk Avatar

Von

Edith Scholz, knapp über 70, und seit geraumer Zeit Witwe, findet sich nach einem Stolpern über die verflixte hochgebogene Teppichecke auf dem Boden wieder. Nichts geht mehr und so liegt sie über Stunden? da und wartet auf das Sterben......denn dummerweise ist die Wohnung über ihr nicht mehr vermietet und die Mieterin untendrunter einfach weggestorben.

Da naht der selbsternannte "Kümmerer" der alten Damen seines Bezirkes - Briefträger Oskar Mannstein, 52, alleinstehend und mit Herz. Als Edith nach seinem Klingeln nicht sofort die Tür öffnet, schaut er durch den Briefeinwurfschlitz. Es brennt Licht! und er weiß, alte Damen sind sparsam.....

So landet Edith widerwillig im Krankenhaus und erhält zwei "neue Hüften" und die Nachricht: 3 Wochen Reha in Usedom.....

Das passt der eigenwilligen, hartgesottenen Berlinerin nun mal garnicht. Neue Klamotten, evtl. sogar einen Bikini (in ihrem Alter), einen Koffer packen, wahrscheinlich in einem Mehrbettzimmer (wie damals ihr Mann) dahinvegetieren und wie soll sie überhaupt nach Usedom kommen?

Ihren Unmut läßt sie am Krankenhauspersonal und Briefträger Mannstein aus, der sie besucht (weil sie seiner Meinung nach ja niemanden mehr hat)...

Auf Usedom gerät Edith, die an allem und jedem das Haar in der Supper wittert, ausgerechnet an ihre finanziell besser gestellte Zimmernachbarin, das sanftmütige Schaf Christel Jacobi, die seit vielen Jahren ihrem ehemaligen Gatten hinterher-
trauert. Der hat schon lange eine neue Familie und Christel blieb nur ihreTochter Kim und deren esotherisch angehauchter Ehemann. Die wollen Christel in ein Altersheim schaffen, weil sie ja so krank ist und es so wie so besser für sie wäre.....

Irgendwie kommen die beiden ungleichen Frauen sich trotzdem etwas näher und nachdem Edith wieder in ihrem geliebten Berlin ist, erhält sie eine Einladung von Christel. Wegen nerviger Bauarbeiten im Wohnblock entschließt sich Edith, halt mal nach Husum zu fahren. Wenn es ihr nichtpasst, kann sie ja jederzeit (gott sei Dank wieder nach Berlin.

Um dem Drängen ihrer Tochter nach einem Umzug in ein Altersheim vorerst zu entgehen, reisen die Zwei angeblich zu einigen Heimen zwecks Anschauung. In Wirklichkeit wollen sie es sich noch einmal ohne Verpflichtung, Anhang, Sorgen und Bevormundung gut gehen lassen.....Es folgen einige Aufregungen und Eifersüchteleien um einen gutaussehenden Herren, das Spielen in der Spielbank in Baden-Baden mit verheerenden Folgen für Ediths Bankkonto, um Zechprellerei und Christels Krankheit. Durch Kims Eigenmächtigkeit und Besorgnis ist nun auch Christel ohne Geld......

Ein gut zu lesender und mit lockerer Feder geschriebener Roman mit hohem Wahrheitsgehalt um zwei ältere Damen, die so ganz alleine wohnen, ohne viele Kontakte zur Um- und Aussenwelt. Dies findet heutzutage fast überall statt und jeder von uns kennt Jemanden, dem es auch genau so geht oder der auch Jemanden kennt, der ..... Die Widrigkeiten des Älterwerdens werden von Edith und Christel einfach ignoriert und sie wollen das beste aus der ihnen verbliebenene Zeit machen - mag sie auch noch so kurz sein. Ein mutmachender Roman fürdie ganze Familie, ob jung, ob alt - geschrieben mit einer gehörigen Portion Witz.