Lange habe ich kein Buch mehr so schnell verschlungen

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Inhalt

Blue Sargent hat als einzige aus ihrer Wahrsagerinnenfamille keine hellseherischen Kräfte. Stattdessen verstärkt sie die Energie für andere, weshalb sie ihrer Mutter oft bei Sitzungen assistiert. Doch am Markustag, an dem ihre Mutter alljährlich auf dem Friedhof den Seelen derer begegnet, die im folgenden Jahr sterben werden, sieht plötzlich auch Blue einen Geist. Und dafür gibt es nur zwei Erklärungen: Entweder ist dieser Gansey ihre große Liebe oder sie wird an seinem Tod schuld sein.
Gansey und seine Freunde Noah, Ronan und Adam können eine Wahrsagerin gut gebrauchen, denn sie sind auf der Suche nach einer Ley-Linie, einer sagenumwobenen Energieader, die ausgerechnet durch das Städtchen Henrietta fließen soll. Als die vier Blue begegnen, bildet sich ein ungewöhnliches Team.


Meinung

Es fällt mir verdammt schwer, die Handlung von "Wen der Rabe ruft" zu beschreiben, ohne zu viel zu verraten oder den Eindruck zu erwecken, das Buch sei klischeehaft und vorhersehbar, denn das ist es definitiv nicht.
In dem Punkt hat der Verlag meiner Meinung nach auch keine gute Arbeit in der Wahl des Klappentextes geleistet, denn die Information, dass eine Prophezeiung besagt, Blues große Liebe werde sterben, wenn sie ihn küsst, klingt nach schlechtem Märchen und nicht sehr originell, dabei ist der Auftakt dieser Reihe alles andere als das.

Wie schon mit ihrem Einzelband "Rot wie das Meer" faszinierte mich Maggie Stiefvater auch in diesem Buch wieder mit ihren tollen Ideen für Fantasy-Elemente. Auch "Wen der Rabe ruft" erzählt wieder eine ungewöhnliche Geschichte, denn über Hellsehen habe ich im Bereich Fantasy-Jugendbuch bisher noch nicht viel gelesen und von den Legenden um die Ley-Linien, die hier eine große Rolle spielen, hatte ich noch nie gehört. Wieder hat Maggie Stiefvater hier eine spannende Legende ausgebuddelt und in einem tollen Roman verarbeitet und es macht Spaß, immer mehr über die Ley-Linien und den verschollenen König Glendower zu lernen.

Hinzu kommt, dass auch die Figuren des Buches zu großen Teilen sehr ungewöhnlich sind, was vor allem dadurch gut zur Geltung kommt, dass die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wird.
Blue war für mich noch ein wenig farblos als die betont alternative Außenseiterin, aber auch nicht unsympathisch. Mit ihr gibt es kein künstliches Drama über die Prophezeiung, keine absichtlich herbeigeführten Missverständnisse, die ihre Beziehung zu anderen Figuren erschweren. Sie ist einfach neugierig und mutig, was sie eigentlich recht sympathisch macht.
Gansey ist ein sehr spezieller Charakter mit einer wirklich spannenden Geschichte und einem ungewöhnlichen Hintergrund, dessen verschrobene Art, gutes Herz und häufige Unfähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ihn auf eine gewisse Art sehr niedlich machen.
Doch auch seine Freunde Ronan und Adam sind interessante Figuren, vor allem Adam mit seiner ruhigen, verletzlichen Art, der unter einem sehr bewegenden inneren Konflikt leidet.
Das allerbeste an den Figuren ist aber die Art, wie sie zu einander in Beziehungen stehen, und die Tatsache, dass sich ebendiese Beziehungen absolut nicht so entwickeln, wie ich es erwartet (und befürchtet) hatte. Alle Figuren überraschen mit ihren Handlungen immer wieder, was "Wen der Rabe ruft" für mich sehr abwechslungsreich gemacht hat.

Dasselbe gilt auch für die Handlung, die mit mindestens einer wirklich gelungenen Überraschung aufwarten kann, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Das Ende des Buches ist zwar zum Teil abgeschlossen, sorgt aber mit einer sehr unerwarteten Wendung im allerletzten Satz dafür, dass ich nun unbedingt weiterlesen möchte, was ich allein wegen der spannenden Idee ohnehin getan hätte.


Fazit

"Wen der Rabe ruft" hat mich absolut positiv überrascht und definitiv überzeugt. Die kurzweilige und abwechslungsreiche Geschichte basiert auf einer originellen und spannenden Idee und die Figuren weisen Tiefe und spannende Geschichten auf. Dieser erste Band macht definitiv Lust auf mehr. Von mir gibt es 4,5 Sterne.