Tragisch schön

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miriamel Avatar

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Inhalt
Sydney, 1938: Der Matrose Stead und das Mädchen Marina lernen sich kennen und lieben und verbringen drei wunderbare Tage miteinander, bevor Stead wieder zurück auf sein Schiff muss. Sie versprechen sich, sich zu Silvester in London wieder zu treffen, denn dort will Marina eine Musikschule besuchen, für die sie aufgrund ihres Talentes ein Stipendium erhalten hat. Doch es kommt anders. Marinas Träume von der Musikschule platzen, als sie auf dem Weg nach London erfährt, dass sie schwanger ist. Stead ist wer weiß wo auf See und dann bricht auch noch Krieg aus. Sie haben sich aber nicht vergessen und ein paar Jahre später machen sich beide unabhängig voneinander auf die Suche nach dem anderen. Doch der Krieg erschwert das Zusammentreffen und es ist fraglich, ob sie sich je wiedersehen...

Meine Meinung
In episodenhaften Abschnitten wird das Schicksal der beiden Suchenden zwischen den Jahren 1938 und 1946 erzählt. Dabei wechselt nicht nur mehrfach die Erzählperspektive, sondern auch die Zeit springt unregelmäßig zwischen Rückblicken und jeweiliger Erzählgegenwart hin- und her. So entsteht kein kontinuierlicher Erzählstrang, sondern ein wechselndes Vor- und Zurück. Doch trotz der Sprünge und fehlender Jahre, konnte ich gut der Geschichte folgen und die zeitliche Unregelmäßigkeit und wechselnde Erzählsicht betonte zudem für mich noch mehr die Kriegswirren und damit verbundene Unstabilität des damaligen Lebens.

Auf der Strecke blieb bei der episodenhaften Erzählweise etwas die Tiefe. Besonders Stead blieb mir recht fern, obwohl ich gerade am Anfang von ihm mehr berührt wurde. Im Laufe der Geschichte erfährt man aber nicht so viel von seinen Gefühlen, bzw. sind mir seine Gefühle nicht so gut verständlich geworden. Warum hat er plötzlich so viel Liebe für Marina, nachdem er die ersten Jahre nach seinem Weggang offensichtlich nicht so viel an sie gedacht hat? Seine Liebe konnte ich zwar aktuell spüren, aber dass sie plötzlich wieder so stark wurde, wirkt auf mich etwas unerklärlich.

Mehr erfährt man von Marinas Innenleben. Die Zeit ihrer Schwangerschaft, ihre Angst und Unerfahrenheit und besonders ihre Naivität, mit der sie nach London fährt und ihre anschließende Unfähigkeit, ihre Gefühle und Wünsche dort durchzusetzen, dies war alles sehr gut für mich spürbar. Ebenso ihre emotionale Verfassung, nachdem das „Problem“ Schwangerschaft beendet war. Das kam sehr gut rüber. Was ich dann aber schwer nachvollziehen konnte, war der Schritt, den sie als nächstes tat. Auch wenn es deutlich machen sollte, dass sie Ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollte, ihr altes „Ich“ beiseite schieben wollte, so wirkte dies auf mich zu schnell und abgebrüht für das junge Mädchen. Allerdings war bei ihr für mich durch ihre vielen Briefe an Stead besser nachvollziehbar, dass sie ihn nach so langer Zeit noch immer liebte, auch wenn sie dazwischen nicht immer an ihn dachte.

Im Verlauf der Geschichte störten mich diese beiden Brüche und dass manches mehr an der Oberfläche blieb, dann aber nicht mehr. Denn die Suche der beiden, die sich oft so nah waren, ohne es zu wissen, und die von den Schrecken des Krieges doch immer wieder auseinandergerissen wurden, war spannend zu lesen und ließ mich mehr und mehr mit ihnen mitfiebern. Dabei musste ich öfter mal schlucken, wenn die Angriffe der Japaner ihre Opfer fanden und Flucht und Gefangenschaft alles andere in den Hintergrund drängten.

Besonders gut gefallen hat mir auch, dass sich die Musik wie ein roter Faden durch die Geschichte zog. Mit Marinas wunderschönem Klavierspiel, einem Stück von Chopin, das Stead am Anfang auf Marina aufmerksam machte, beginnt die Geschichte. Und damit schließt sich am Ende dann auch wieder der Kreis. Dazwischen ist es immer wieder die Musik, die einerseits Marina aufrecht hält, und andererseits Stead über die Jahre mit Marina emotional verbindet. Das fand ich sehr schön.

Die Autorin hat nach meinem Empfinden einen feinen Schreibstil, der in manchmal fast nüchtern und unaufgeregt wirkendem Tonfall doch gleichzeitig eine besondere Intensität ausstrahlt und damit eine eindringliche Stimmung erzeugen kann. Die Geschichte wirkt damit auf mich keinesfalls kitschig, wie es vielleicht die Buchbeschreibung oder der Buchtitel vermuten lassen könnten, sondern hat eher einen tragischen Unterton, der nicht unbedingt zu einem Happy-End führen müsste. Mir hat das Buch gut gefallen und gerade durch die sprunghafte Erzählweise hatte die Geschichte für mich persönlich einen besonderen Reiz.