Wenn die nacht am stillsten ist

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oneredrose Avatar

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Ganz im Gegensatz zu dem fröhlichen Foto der Autorin, das sie auf dem inneren Deckblatt zeigt und sie als Frau mit Humor und Witz auszumachen scheint, erzählt sie uns hier eine düstere Geschichte.

In einer langen Nacht sitzt Anna an Ludwigs Bett. Sie erzählt und erzählt und erzählt... Es wird eine lange Geschichte.

Sie war 8 Monate mit Ludwig zusammen gewesen, als er unerwartet zusammengebrochen ist und in einer Art Koma liegt. Zuvor hatte er ihr das "Aus" erklärt. Wir haben es mit einem merkwürdigen, hintergründig handelnden und undurchschaubaren Mann zu tun. Anna sah in ihm den smarten Freund, der überall ankam, erfolgreich, intelligent und immer rührig war und alles Ungute aus dem Leben ausklammern konnte. Wie eine stille Beichte klingt das, was Anna ihm nun zu sagen hat. In ihrem Leben gab es viele Brüche, von denen Ludwig keine Ahnung hatte. Ihr Vater war im Suizid geendet. Die Mutter liegt an Alzheimer erkrankt in einem Pflegeheim. Und zwischen allen Stühlen befindet sich Anna, die sich um die Mutter und um Ludwig sorgt.

Der stille Monolog sagt viel aus über das Leben einer Frau, die nicht immer glücklich gewesen ist und sich von dem Liebhaber Ludwig gerne in das fröhliche und unbeschwerte Leben hineinziehen ließ. Doch war sein Leben wirklich immer so unbeschwert?

In einem zweiten Teil der Erzählung wird noch einmal zurück geblendet in die Anfänge der Beziehung, von der sich Anna viel erhofft hatte. Dazu gehören Einlassungen aus ihrem früheren Leben, das unruhig und experimentell verlaufen ist.

Arezu Weitholz spricht eine drastische Sprache. Sie ist ehrlich und krass, wenn sie z.B. die Zustände im Altenpflegeheim der Mutter von Anna beschreibt. Das ist heutige Realität, und es sträuben sich geradezu die Haare, wenn man sich damit konfrontiert sieht. Doch sie bringt in ihrem kurzen Roman zur Sprache, wie schwer manche Menschen am Schicksal tragen, und wie mühsam es für ihre Protagonisten ist, eine gerade Linie im Lebenskampf zu erreichen. Der Goldfisch mit dem vieldeutigen Namen "Dante" ist zuweilen der einzige Ansprechpartner für Anna. Damit verstärkt die Autorin noch den Grad der Einsamkeit, in dem Anna dahin lebt.

Ein tiefgründiges, nachdenklich stimmendes und hervorragendes Werk ist der Autorin gelungen.