Eine nette kleine Geschichte

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barclay Avatar

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Als seine Großmutter stirbt, findet Thomas Wetzlaff unter ihren Sachen ein Tagebuch, geschrieben von seiner Urgroßmutter Martha und versehen mit Zeichnungen und Anmerkungen der Weimarer Bauhauskünstler der 1920er Jahre. Marthas Urenkel ist fasziniert von ihrem Tagebuch und fühlt sich dadurch animiert, ihre Jugend nachzuerzählen, die Jahre, bevor das Tagebuch einsetzt. Das Tagebuch, dass er nun in New York bei Sotheby’s versteigern lassen wird.

Ich glaube ja, ich hätte dieses Tagebuch niemals weggeben können, so sehr auch die Dollarmillionen locken, die es einbringen wird.

Der Rückblick in Marthas Kindheit und Jugend hat mir sehr gut gefallen, der Schreibstil und die Sprache sind der Zeit angepasst, der Humor ist trocken und treffsicher. Die Sprache der im Jahr 2001 spielenden Szenen ist anders, zeitgemäß, das ist gut gelungen. Zwischendurch wird der Leser mit zeitgeschichtlichen Informationen über das Bauhaus und die sich verändernde politische Situation versorgt.

Ich hatte mir Beschreibungen über das Weimarer Bauhaus und seine Künstler erhofft, doch die Informationen gehen über die Wikipedia-Artikel hierzu kaum hinaus. Auf 286 Buchseiten ein Gefühl für die Atmosphäre am Bauhaus und die Charaktere zu entwickeln, war wohl zuviel erhofft. So ist es leider nicht gelungen, den Figuren Leben einzuhauchen.

Auch mit Martha konnte ich nicht wirklich mitfühlen. Ich fühlte mich eher als Beobachterin am Rande, nicht mittendrin. Es gibt interessante Ansätze, Marthas Fähigkeit, Töne nicht als Noten, sondern als geometrische Figuren wahrzunehmen, Marthas erste und einzige große Liebe Ella, Marthas Flucht aus Pommern. Doch die Distanz zu ihr verliert sich nicht und so können auch die Überraschungen, mit denen der Autor zum Ende hin aufwartet, daran nichts mehr ändern.

Es fehlt mir die Hingabe, das Herzblut, dass die Meister und Künstler des Bauhauses zweifelsfrei besessen haben und das wunderbar gewesen wäre, hätte man davon in diesem Buch etwas spüren können. Es bleibt ein netter kleiner Roman mit netten Figuren, leicht, flüssig und schnell zu lesen, der mich nicht berühren konnte und von dem leider nichts nachhallen wird.