Heimat=Identität??

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hatschepsut Avatar

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Mir hat die Geschichte "Um eine der Auszog seine Identität zu finden" gut gefallen. Protagonist ist Krishna Mustafa, Sohn einer deutschen Hippimutter und eines Türken. Der sympatische Mann, der irgendwie naiv-kindlich durch das Leben kommt, hat so seine eigene Art die Welt und deren Geschehnisse zu sehen. Er läßt sich auf jedes Vorurteil ein und versucht es zu ergründen. Aber was ist die Herkunftsidentität eigentlich genau? Wenn man in zwei Kulturen aufgewachsen ist, ist man dann wirklich noch typisch das Eine oder das Andere? Was macht einen Menschen und seine Ansichten oder seinen Identität aus? In diesem Buch wird auf eine humorvolle Art und Weise vieles aufgedeckt, widerlegt und auch teils bestätigt. Aber immer mit einem Augenzwinkern und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Krishna Mustafa lernt vieles über die Türken, die Deutschen und stellt fest, daß er so ist wie er ist, vieles mag und sich gar nicht so recht festlegen will.
Krishna Mustafas Freundin hat ihn verlassen, weil sie der Meinung ist, daß er seine Identität noch nicht gefunden hat. Er selbst hat sich so wohl gefühlt, wie er war, macht sich aber dennoch auf in die Türkei um seine Wurzeln zu finden. Krishna Mustafas Eltern lernen sich in einem Coffeeshop , als seine Hippimutter auf der Rückreise aus Indien Richtung Deutschland dort Halt macht. Sie verlieben sich, Krishna Mustafa kommt zur Welt und sie leben die ersten Jahre zufrieden in der Türkei. Als es Zeit für die Schule ist, findet seine Mutter, daß die türkischen Schulen nicht das Richtige seien und die Familie geht nach Deutschland, wo Krishna Mustafa in eine Waldorfschule kommt und die Beziehung zerbricht Fortan lebt er bei seiner immer noch kiffenden Mutter in Deutschland, wird ziemlich alternativ aufgezogen und lebt gut vor sich hin. Er selbst nimmt keine Drogen oder Alkohol zu sich und ist zufrieden damit.
In der Türkei angekommen versucht er alles typisch türkische auszuprobieren. Er besucht eine Moschee, zieht sich eine Bet-App auf sein Handy, damit er fünfmal am Tag ans Beten erinnert wird und zieht das auch eine Weile durch. Seinen Vater trifft er erst nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Wochen, versteht sich aber auf Anhieb mit ihm. Seine WG-Mitbewohner sind auch ganz unterschiedlich. Einer geht kaum noch vor die Tür, ein Pärchen ist politisch engagiert und muß deswegen sehr aufpassen, nicht ins Visier der Polizei zu gelangen.
Krishna Mustafa rasiert sich seine Rastalocken wegen der Hitze ab, läßt sich einen Bart wachsen und setzt ein Käppi gegen die Sonne auf. Als er von einem Regen überrascht wird treibt es ihn ausgerechnet in einen Waffenladen, wo er einige Waffen ausprobiert und mit ihnen posiert. Seine Hippimutter hat ihm nie erlaubt mit Waffen zu spielen und nun nutzt er die Gelegenheit. Er wird von einer Kamera aufgenommen und so wird ein deutscher Journalist auf ihn aufmerksam. Er wird zu einem Online-Interview eingeladen und zu seiner derzeitigen Situation befragt. In seiner naiven Art antwortet Krishna Mustafa, allerdings können die Antworten doppeldeutig aufgenommen werden. So wird aus dem Identitäten suchenden Krishna Mustafa plötzlich im Netz ein Dschiadist, der sich auf den heiligen Krieg vorbereitet.
Alles in allem ist es ein tolles Buch mit einem netten, sympatischen Protagonisten, über den man manchmal den Kopf schütteln muß, ihn aber dennoch ins Herz schließt. Ob er nun seine Identität gefunden hat oder nicht, muß der Leser selbst herausfinden....