Mord im München der 1920er Jahre

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Die Autorin Angelika Felenda verbindet in diesem unter dem Credo historisch anzusiedelnden Krimi eine gut durchdachte Geschichte im München der 1920er Jahre. Da sie Geschichte und Germanistik studiert hat, wie den Buchklappen zu entnehmen ist, ist mit einer ganz besonderen Stimmung zu rechnen.

Zum Inhalt:

Kommissär Reitmeyer ermittelt den Mord an einer jungen Frau, die eine Wirtshaustreppe in den Keller hinabgefallen war. Es stellt sich heraus, dass ihr zuvor eine Überdosis Heroin gespritzt wurde, sie also eindeutig durch Fremdeinwirkung gestorben ist. Kurze Zeit späte wird eine zweite junge Frau auf ähnliche Weise ermordet aufgefunden. Zusammen mit seinen Kollegen, unter ihnen ein gewitzter Polizeischüler Rattler, begibt sich die Polizei auf die Suche nach dem Mörder. Dabei untersuchen sie auch das Umfeld der beiden jungen Frauen, die befreundet waren und im München der 1920er Jahre ihr Glück als Schauspielerinnen suchen wollten.
Zur gleichen Zeit sucht Gerti Blumfeld in München ihre Schwester Stephanie. In dem Wirtshaus, in dem die junge Frau Tod aufgefunden wurde, wird ihr eine Mappe zugesteckt, deren Besitz nicht ungefährlich wird. Gerti gibt vor eine Dissertation zu schreiben und begibt sich dafür in die etwas dunklerer und abfälligeren Milieus Münchens. Die Suche nach ihrer Schwester und der Besitz der Mappe lassen ihren Aufenthalt in München zu einem gefährlichen Abenteuer werden.
Letztlich stechen sowohl Gerti, als auch Kommissär Reitmeyer in die selben Wespennester.

Mein Eindruck:

Ich persönlich bin mit der Geschichte nicht so ganz warm geworden. Vielleicht lag es an der Sprache, die den Leser bildhaft in die 1920er Jahre versetzen vermag, oder an der etwas ausführlicheren Beschreibung der Handlung liegen. Einige Bilder in meinem Kopf wiederholten sic bei bestimmten Handlungen (Stichwort Verfolger), was ich etwas schade fand. Mich persönlich hat die Geschichte nicht so wirklich mitgenommen. Das ist natürlich mein ganz persönliches Leseempfinden und zahlreiche Rezensionen belegen, dass dies bei anderen Lesern ganz anders empfunden wurde.
Insgesamt aber - und das zeichnet diesen Krimi aus - ist die Schilderung der Zeit, der Lebensumstände, der gesellschaftlichen Unterschiede, der politischen Situation einfach hervorragend gelungen. Es handelt sich um angenehmen Geschichtsunterricht, der in einer lesenswerten Geschichte daherkommt. Ich habe den Eindruck, durch dieses Buch einen umfassenden Einblick in diese sehr chaotische Zeit bekommen zu haben, die sehr bildhaft mein mittlerweile verstaubtes Geschichtswissen aufgefrischt hat. Auch die Verwicklung von Politik und Behörden, hier vor allem geschildert am Beispiel der Polizeibehörde ist aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar. Auch der Sonderstatus Bayerns in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg lässt mich als Norddeutschen aufhorchen.
Die Charaktere sind liebevoll beschrieben. Vor allem Reitmeyer, der mit Folgen seines Fronteinsatzes zu kämpfen hat, gefällt mir sehr gut. Ebenso der Polizeischüler Rattler, der kreativ, etwas übermotiviert und unkonventionell an die Ermittlungen herangeht, ist eine tolle Type. Auch Gerti Blumfeld, ist ein hervorragend beschriebener Charakter, mit dem sich der Leser identifizieren kann. Es hat schon Spaß gemacht, diese Charaktere kennenzulernen und ein Stück zu begleiten.
Beide Handlungsstränge fügen sich nahtlos ineinander und ergänzen sich gegenseitig.

Fazit:

Eine bildhaft beschriebene Kriminalgeschichte aus München in den frühen Zeiten der Weimarer Republik die den Leser in jene Zeit zu entführen vermag. Sie sticht durch ihre historischen Betrachtungen und den liebevoll gestalteten Charakteren heraus.