Königsklasse

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Wir sind die Könige von Colorado

David E. Hilton

1. Auflage, 2011

Arche Literaturverlag AG, Zürich - Hamburg

 

 „Wir sind die Könige von Colorado“ – oder auch „Kings of Colorado“, wie sich die Originalausgabe des hier rezensierten Buches von David E. Hilton nennt – bietet bereits binnen der ersten Seiten einen Einstieg in die Geschichte des Protagonisten William Sheppard, der erkennen lässt, dass es sich bei dem Genuss des vorliegenden Buches nicht unbedingt um leichte Kost handelt.

 

Schon der Klappentext verrät: William hat ein Verbrechen begangen, das nicht ungestraft bleibt, wenngleich es der Hintergrund dieses Vergehens vermag, die Frage nach der moralischen Beurteilung dessen aufzuwerfen. William Sheppard ist gerade einmal 13 Jahre jung, als er seinen Vater mit einem Taschenmesser attackiert. Die Beweggründe, die ihn dazu veranlassen diese Tat zu begehen, wirken erschütternd und Mitgefühl erregend.

 

Die Sanktion, die William im Folgenden ereilt, soll sein Leben verändern. Er wird an eine Erziehungsanstalt in Colorado überführt. Wie bereits der Klappentext verrät, geht es in dieser Einrichtung nicht einzig darum, dass „der Wille von Tieren gebrochen werden soll[e]“, doch was sich im weiteren Verlauf des Buches über Williams Leben offenbart, lässt sich durch diesen ohnehin schon aussagekräftigen Hinweis nicht so vortrefflich ausmalen, wie es Hiltons bildhaften Szenerien tun.

 

Unterstrichen durch die gewählte Erzählperspektive des Ich-Erzählers gelingt es dem Autor, ein facettenreiches Emotionsgebilde aufzuzeigen, das die Erlebnisse Williams fassbar und deutlich werden lässt. Hiltons Schreibstil lässt es zu, diesem ohne große Mühe zu folgen und dennoch gelingt es ihm, durch den erfrischenden Einsatz von Stilmitteln wie beispielsweise Personifikationen, diesen dennoch nicht kunstlos erscheinen zu lassen.    

 

Darüber hinaus schafft Hilton in seinem Werk eine Atmosphäre, die mich in einen Strudel von Gefühlen geraten lässt. Einerseits treibt mich die von ihm aufgebaute Spannung beim Lesen an, andererseits gelingt es Williams Erlebnissen einen ziemlich erdrückenden und schwer lastenden Gefühlszustand bei mir hervorzurufen. Es sind in erster Linie seine plastischen Darstellungen in Bezug auf Verletzungen, die mir das ein oder andere Mal als zu präzise erschienen. Dies jedoch ist Geschmackssache. Die Darstellung von Gewaltszenen ist ebenso in der Lage, das Gemüt anzugreifen. Hilton versteht es jedoch, diese durch die Beigabe hoffnungserweckender und rührender Gesten der Charaktere untereinander, auszugleichen. Die Beziehungen der Charaktere untereinander und das Gespür dafür, an welcher Stelle welches Ausmaß an Informationen über Williams Freunde und Mitinsassen preiszugeben ist, geben dem Charakterdesign einen besonderen Ausdruck und ermöglichen es, die einzelnen Charakter ins Herz zu schließen, oder die Abneigung Williams zu ihnen, nachvollziehen zu können.

 

Auf einer Werteskala von 5 Sternen erhält dieses Buch 4 Sterne von mir, doch der einzige Grund für diesen Punkteabzug ist in den mir persönlich etwas zu herben Darstellungen von Verletzungen zu finden. Die Spannung, der grandiose Aufbau der Atmosphäre und die dargestellten Beziehungsgeflechte unter den Personen verdienen meines Erachtens nach ein riesiges Lob.

 

David E. Hilton stellte sich die Frage, was sich wohl hinter der Erziehungsanstalt verberge und was an diesem Ort geschehen sei, als er eine solche Einrichtung in sehr jungen Jahren passierte. „Wir sind die Könige von Colorado“ bietet eine mögliche Antwort darauf, die man nicht auf die Realität übertragen möchte, die sich jedoch in einem fiktiven Werk, im Rahmen dieses Buches, auf eine einfallsreiche und begabt Weise dargestellt, genießen lässt.