Krimi mit italienischem Lebensgefühl

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stephi Avatar

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Nur eine Woche vor ihrer Hochzeit wird Giovanna ermordet. Ihr Verlobter, Francesco Visentin, versucht nach Kräften, die Polizei bei der Suche nach dem Mörder zu unterstützen und gerät dabei gemeinsam mit Giovannas Freundin Carla immer tiefer in ein Netzwerk aus Korruption, Ökokriminalität und den Machenschaften der Mafia hinein, was das beschauliche Leben in der italienischen Kleinstadt in ein völlig anderes Licht rückt.

 

„Wo die Zitronen blühen“ ist ein Kriminalroman, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der Probleme der heutigen Zeit anprangert und vor allem die Macht angesehener italienischer Familien aufzeigt. Francesco Visentin gehört zu einer sehr angesehenen Familie. Genau wie sein Vater ist er Rechtsanwalt, wird bald in die väterliche Kanzlei einsteigen und ist im Dorf angesehen. Man schaut zur Familie Visentin auf, bewundert sie. Umso härter treffen ihn der Tod seiner Verlobten und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten, die besonders sein Vater mit aller Macht zu beseitigen versucht.

 

Den Autoren gelingt es, ein detailliertes Bild des Lebens in einem solch eingeschworenen Dorf darzustellen. Zugezogene haben es sehr schwer, sich einen Platz in den vorhandenen Strukturen zu erarbeiten. Alles was zählt, ist der richtige Name.

 

Der Mordfall selbst ist sehr spannend beschrieben. Nach dem ersten Drittel des Buches hatte ich kurzzeitig das Gefühl, dass die Handlung abflacht, dies änderte sich aber sofort wieder. Die in die Handlung eingearbeiteten Beschreibungen des Dorfes und der Umgebung sind immer wieder eine willkommene Abwechslung und fügen sich gut ins Gesamtbild ein.

Auch die Bezüge zur Mafia usw. sind kontinuierlich erklärt und detailliert beschrieben, so dass zumindest meinerseits keine Verständnisprobleme vorhanden waren.

 

Einzig die vielen Namen und die Beziehungen der Personen untereinander haben mir zeitweise Schwierigkeiten bereitet, allerdings sind aus dem Kontext immer wieder die Zusammenhänge erkennbar.

 

Besonders gut hat mir die Grundstimmung des Buches gefallen. Es werden auf wunderbare Weise die kriminalistische Handlung und das italienische Lebensgefühl miteinander verknüpft, so dass beim Lesen eine sehr schöne Atmosphäre entstanden ist und ich regelrecht enttäuscht war, als das Buch zu Ende war.

 

Dennoch haben die Autoren einen sehr guten Moment für den Abschluss gewählt. Die Handlung wird nicht unnötig in die Länge gezogen, aber die Auflösung des Falls ist schlüssig und weitestgehend unerwartet, so dass der Abschluss hervorragend zum Buch passt und seine Wirkung nicht ganz am Ende noch zerstört wird.

 

Ich empfehle das Buch auf jeden Fall, da es neben einem tollen Stil, einem idyllischen Schauplatz und vielschichtigen Figuren vor allem ein Thema bietet, was absolut interessant und mitreißend ist.