Zertrennlich

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schwarzesschaf Avatar

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Ich muss leider sagen, dass es mich nicht überzeugen konnte.
Größtes Manko: die Geschichte an sich und die ewigen Zeitsprünge.
Im ersten Drittel des Buchs passiert handlungstechnisch nichts. Absolut gar nichts. Das ödet natürlich mich als Leser erstmal an. Dann, wenn man meint, dass so langsam etwas Spannung aufkommt und das ominöse Rätsel gelöst wird, wird man wieder vor den Kopf gestoßen und die eigentliche Auflösung ist absolut unbefriedigend, weil genauso viele Fragen offen bleiben wie sie beantwortet werden.
Das Ende an sich ist enttäuschend, weil die Autorin sich dazu entscheidet, es sehr offen zu halten. Prinzipiell ist das nichts Schlimmes, wenn man den vorher darauf hin gearbeitet hat und die Geschichte erzählerisch abgeschlossen ist. Das ist hier aber nicht der Fall und es wirkt inkonsequent und nicht durchdacht. Es wird sich an Lappalien und unnötigen Details aufgehalten, die das eigentliche Geschehen weiter aufhalten, den Lesefluss immens stören und den Leser mit Fragezeichen zurücklassen.

Die Zeitsprünge sind nur an den Wechseln der Erzähltempora erkennbar. Präteritum und Präsend wechseln unregelmäßig und bieten wenigstens ansatzweise die Möglichkeit, sich zu orientieren, da aber die Vorkommnisse in der Vergangenheit nicht chronologisch und auch mitten im Kapitel geschehen können, ist es mit der Orientierung nicht allzu weit her.

Mir ging es weiterhin so, dass ich zu keiner der beiden Schwestern oder einem der anderen auftauchenden Charaktere einen Draht finden konnte. Weder Isolte noch Viola haben es mir leicht gemacht, sie zu verstehen oder gar zu mögen. Auch die Mutter oder Ben liefen eher so am Rande nebenher und haben sich nicht eingeprägt. Ich bin mir sicher, dass ich in zwei Wochen schon sämtliche Protagonisten vergessen habe.

Schön war der Schreibstil, der hat mir wirklich gefallen, die Atmosphäre, die durch ihn vermittelt wurde, allerdings schon wieder weniger. Alles war unglaublich depressiv, trist und negativ. ALLES wurde irgendwie schlecht gemacht, egal ob es Hähnchenschenkel im Supermarkt (tote Haut über kaltem Fleisch), Autos auf der Straße oder die Umarmung mit der Mutter war - nichts konnte man irgendwie positiv verstehen. Es wirkte so, als ob über der gesamten Welt der Zwillinge ein grauer Schlag lag, den man partout nicht wegblasen konnte. Das hat sich auch auf meine Stimmung ausgewirkt und nicht dazu beigetragen, dass ich das Buch mehr mochte. Dass die Zwillinge es nicht leicht hatten und ein düsteres Leben lebten, verstehe ich auch mit weniger Anmerkungen, das muss sich nicht durch jedes Detail im Buch ziehen.

Fazit
Ein sehr verworrenes und depressives Buch, das mich mit seinem langsamen Erzähltempo und den ewigen Zeitsprüngen ebenso wenig berühren konnte wie mit den blass bleibenden Charakteren und dem schlecht konstruierten Ende und der Auflösung.